Minor Hotels: Warum Luxusreisende heute mehr als perfekte Hotels erwarten

Minor Hotels Luxushotels

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Was erwarten anspruchsvolle Reisende heute von einem Luxushotel? Ein schönes Zimmer, perfekter Service und hochwertiges Design reichen längst nicht mehr aus. Gefragt sind Erlebnisse, die einen echten Bezug zur Destination herstellen, individuell auf den Gast zugeschnitten sind und auch nach der Abreise in Erinnerung bleiben.

Genau darüber haben wir mit Giles Selves, Senior Vice President Luxury Hotels bei Minor Hotels, gesprochen. Er verantwortet die strategische Entwicklung der Minor Hotels Luxushotels und des weiteren Luxusportfolios der Gruppe, die inzwischen mehr als 640 Hotels in 67 Ländern umfasst.

Im Interview erklärt er, wie sich die Erwartungen von Luxusreisenden verändern, warum Authentizität wichtiger wird und welche Rolle Marken wie Anantara, The Wolseley Hotels, Colbert Collection und Minor Reserve Collection künftig spielen.

Luxus wird weniger über Produkte und stärker über Erlebnisse definiert

Eine der größten Veränderungen der vergangenen Jahre sieht Selves darin, dass klassische Luxusmerkmale heute weitgehend vorausgesetzt werden.

„Gäste erwarten weiterhin außergewöhnlichen Service und ein hochwertiges Design, doch beides gilt heute eher als Grundvoraussetzung denn als echtes Unterscheidungsmerkmal“, sagt Selves.

Entscheidend seien vielmehr Relevanz, Personalisierung und emotionale Verbindung. Gäste suchten nicht nur nach einem möglichst perfekten Hotel, sondern nach einem Aufenthalt, der ihnen einen echten Zugang zur Destination ermöglicht.

Minor Hotels Luxushotels
Giles Selves, SVP Luxury, Minor Hotels Europe & The Americas über die Veränderungen im Luxusreisemarkt

Selves spricht dabei von einem Wandel von einer transaktionalen Form der Gastfreundschaft hin zu transformativem Reisen. Hotels würden zunehmend zu Plattformen, über die Gäste eine Destination intensiver entdecken können.

Dafür arbeiteten die Häuser enger mit lokalen Kunsthandwerkern, Köchen, kulturellen Institutionen und Gemeinschaften zusammen. Gleichzeitig gehe es darum, Aufenthalte stärker an individuellen Interessen und persönlichen Vorstellungen auszurichten, statt jedem Gast die gleiche Erfahrung anzubieten.

„Die Zukunft der Luxushotellerie wird dadurch bestimmt, was Gäste nach ihrer Abreise fühlen und in Erinnerung behalten“, so Giles Selves.

Auch Wellbeing und Flexibilität hätten sich laut Selves verändert. Was vor einigen Jahren noch als Nischenthema galt, gehöre inzwischen zu den allgemeinen Erwartungen vieler Gäste. Die starke Orientierung an Gastfreundschaft und persönlicher Verbindung sei für Minor Hotels als thailändisches Unternehmen tief in der eigenen DNA verankert.

Authentizität statt Inszenierung

Mit dem Boom von Begriffen wie „Luxury Lifestyle“ wächst gleichzeitig die Diskussion darüber, ob manche Hotels stärker auf Inszenierung und Storytelling setzen als auf das tatsächliche Gästeerlebnis.

Selves hält diese Frage für berechtigt: „Storytelling ist wichtig, weil es hilft, die Persönlichkeit und Geschichte eines Hotels zu vermitteln. Aber es muss immer auf echten Erlebnissen und glaubwürdigen Werten beruhen.“

Für Minor Hotels sei deshalb entscheidend, zunächst Substanz zu schaffen und erst anschließend darüber zu kommunizieren. „Bei Minor Hotels konzentrieren wir uns zuerst darauf, Substanz zu schaffen, und kommunizieren sie erst danach“, erläutert er.

Das könne etwa bedeuten, lokale Traditionen zu bewahren, Gemeinschaften zu unterstützen, kulturelle Erlebnisse zu entwickeln oder in außergewöhnlichen Service zu investieren. Die Geschichte eines Hotels müsse sich aus dem tatsächlichen Erlebnis heraus entwickeln.

Warum Minor Hotels auf neue Luxusmarken setzt

Die veränderten Erwartungen der Gäste spiegeln sich auch im Markenportfolio wider. Mit The Wolseley Hotels und der Colbert Collection setzt Minor Hotels gezielt auf Marken, die europäische Eleganz, Handwerk, Gastronomie und kulturelles Erbe mit einem zeitgemäßen Lifestyle-Ansatz verbinden.

„Luxusreisen werden immer stärker über Erlebnisse definiert“, erklärt Selves. „Gäste wollten Hotels erleben, die Kultur, Charakter und Lebensstil einer Destination widerspiegeln, statt ein überall ähnliches Luxuserlebnis vorzufinden.“

The Wolseley Hotels stehen dabei zusätzlich für einen ausgeprägt britischen Lebensstil. Für Minor Hotels ergänzen beide Marken das bestehende Portfolio und eröffnen neue Möglichkeiten in wichtigen Metropolen und ikonischen Destinationen.

The Wolseley New York markiert den Launch der neuen Marke

Mit mehr als 640 Hotels in 67 Ländern stellt sich zwangsläufig die Frage, wie eigenständig einzelne Marken innerhalb einer internationalen Hotelgruppe bleiben können. Selves betont, dass jede Marke einen klaren Zweck, ein eigenes Leistungsversprechen und eine eigene kulturelle DNA haben müsse.

Anantara stehe beispielsweise für immersive Erlebnisse und eine intensive Verbindung zur jeweiligen Destination. Tivoli sei durch seine lange Tradition der Gastfreundschaft geprägt und The Wolseley Hotels wiederum verkörpern einen kultivierten britischen Lebensstil.

Die Aufgabe von Minor Hotels bestehe beim weiteren Wachstum darin, diese Marken zu schützen und genau jene Eigenschaften weiter zu stärken, die sie voneinander unterscheiden.

Minor Reserve Collection für außergewöhnliche Einzelhotels

Besonders deutlich wird dieser Ansatz bei der noch jungen Minor Reserve Collection. Die Marke ist für außergewöhnliche Hotels gedacht, deren ausgeprägte eigene Identität sich nur schwer in einen traditionellen Markenrahmen einfügen lässt.

„Minor Reserve Collection wurde für außergewöhnliche Häuser geschaffen, die eine sehr ausgeprägte eigene Identität besitzen und sich nicht ohne Weiteres in einen traditionellen Markenrahmen einfügen lassen“, erläutert Selves den Hintergrund der Marke.

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The Dukes London wird Teil von The Reserve Collection

Entscheidend seien der besondere Charakter, die Geschichte und Lage eines Hauses. Während Anantara einer klar etablierten Luxusphilosophie folgt, die sich auf intensive Destinationserlebnisse konzentriert, stehen bei der Minor Reserve Collection Individualität und Seltenheit im Vordergrund.

Die Zielgruppe sieht Selves vor allem bei sehr erfahrenen Luxusreisenden, die nach etwas Einzigartigem und Unerwartetem suchen, gleichzeitig aber von der Stärke und dem Vertrauen profitieren möchten, die mit Minor Hotels verbunden sind.

Europa bleibt ein wichtiger Wachstumsmarkt

Europa spielt laut Selves eine strategische Rolle in den langfristigen Wachstumsplänen der Minor Hotels Luxushotels und bleibt eine der wichtigsten Regionen für internationale Luxusreisen.

„Wir sehen erhebliche Chancen sowohl in etablierten als auch in aufstrebenden Destinationen“, sagt er. Die jüngste Expansion in Kroatien und Slowenien sei ein Beispiel dafür. Gleichzeitig bereitet Minor Hotels eine neue Eröffnung in einem prominenten Gebäude in Mayfair in London vor.

Auch der DACH-Markt ist für die Gruppe wichtig. Selves bezeichnet Deutschland, Österreich und die Schweiz sowohl als bedeutenden Quellmarkt als auch als Region mit einer starken Wertschätzung für Premium- und Luxusreisen.

Konkrete neue Projekte für Deutschland, Österreich oder die Schweiz nennt er derzeit noch nicht.

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Das Palace Hotel Portoroz wird Teil von Anantara

Personalisierung durch Technologie

Für die kommenden Jahre sieht Selves vor allem ein Thema als prägend an: die Verbindung von Personalisierung und intelligenter Technologie. Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, möglichst viel Technologie sichtbar in den Aufenthalt zu integrieren.

„Die Herausforderung besteht nicht darin, mehr Technologie einzusetzen, sondern sie so zu nutzen, dass sie unsichtbar bleibt und sich dennoch menschlich anfühlt“, führt er weiter aus.

Technologie könne helfen, Bedürfnisse von Gästen frühzeitig zu erkennen und Aufenthalte stärker zu personalisieren. Gleichzeitig müssten Wärme, Authentizität und die echte menschliche Verbindung erhalten bleiben. Parallel dazu würden Reisende weiterhin Erlebnisse priorisieren, die persönliche Bereicherung, kulturelles Eintauchen und Wohlbefinden ermöglichen.

Luxus werde deshalb künftig zunehmend über Relevanz und emotionalen Wert statt über materiellen Überflussdefiniert. Gerade für international wachsende Gruppen wie Minor Hotels liegt darin eine zentrale Aufgabe: Das Portfolio der Luxushotels auszubauen, ohne die individuelle Identität ihrer Marken und Häuser zu verlieren.

Fotos: (c) Minor Hotels