Bangkok blanc

Dieses Thema im Forum "Trip Reports" wurde erstellt von vegaslars, 4. August 2014.

  1. vegaslars

    vegaslars Gold Member

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    Wenn es hier im Herbst langsam kalt, nass und ungemütlich wird, helfen mir DVDs mit alten Filmen, aber besser noch Fernreisen. Im letzten Jahr war das Ziel Bangkok, soviel Klischee musste sein. Sonst geht es oft nach Kapstadt, San Francisco oder Sydney, Orte, die sich schnell einem Muster zuordnen lassen; sonnig, englischsprachig und nah am Wasser gebaut.

    Ich ließ mich gehen und dann auch fliegen; über den Jordan übrigens. Mit Royal Jordanian. Gar kein schlechter Flug, wenn man die Zwangspause auf dem Flughafen Amman mit seiner trostlosen Aussicht unberücksichtigt lässt. Vor allem war er preiswert und ich wurde sicher in BKK abgesetzt. Der Flughafen ist sauber, modern und übersichtlich. Mehr kann man nicht erwarten.

    Eine der Annehmlichkeiten der Stadt ist, dass sie meiner Vorliebe für den öffentlichen Nahverkehr entgegen kommt. Im wunderbar unterkühlten Skytrain werden gut angezogene Studenten und Angehörige der Mittelschicht transportiert. Essen und Trinken ist nicht erlaubt. Wenn ich da an Berlin denke, wo das Rauchverbot an jedem Bahnhof permanent und folgenlos missachtet wird, ist es hier das pure Vergnügen schnell, klimatisiert und sauber durch die Stadt zu kommen.
    So erreiche ich auch mein erstes Ziel, das deutlich kostspieliger war als die Anreise. Es ist ein Hotel am Lumpini-Park (schnell habe ich gelernt, dass die Betonung auf letzterem "i" liegt). So amazing, So Bangkok, Sofitel So, beschreibt es sich und hat Christian Lacroix verpflichtet, die Zimmer und Teile der Einrichtung zu gestalten.

    Freundlich führt man mich zu einer Club-Suite, die einen grandiosen Ausblick auf den Park und die Skyline bietet. Ganz in weiß ist sie gehalten, obwohl sie doch dem Element Metall gewidmet ist. Alles ist groß und bequem, ich möchte eigentlich nicht mehr weg. Aber die Stadt wartet ja.

    Ich beginne mit Bangkok light, der Sukhumvit Road, dem Siam Square. Restaurants, Kaufhäuser, Touristen und Mädchen, die von entfernten Landstrichen zu denen der Straßen hier gefunden haben. Die Armut ist erschreckend; es gibt Dreijährige, die nur mit älteren IPad-Modellen spielen müssen.

    Und all die düsteren Geschichten der Stadt. Es war die Suite 352 im Swissotel Park Nai Lert, in der man David Carradine (Bill aus "Kill Bill") vor einige Jahren aufgehängt an einer Garderobenstange im Wandschrank fand. Nicht der Smog hatte ihm den Atem genommen, er ist vermutlich aus purer Lebenslust gestorben, nachweislich jedoch aus Lust, wie ein Gerichtsmediziner, der tatsächlich Pornthip hieß, ermitteln konnte.

    Was in Bangkok passiert, bleibt in Bangkok, heißt es im Film: "Hangover 2". Das kann man über so viele Städte sagen, wie man will und es stimmt deshalb trotzdem nicht. Die Stadt ist auch gar nicht so ausschweifend und sündig. Sie kommt mir eher konservativ vor.

    Patpong finde ich zum Beispiel noch spießiger als die Reeperbahn. "Ping Pong 100 Baht" steht an erster Stelle auf einer Pappkarte, die man mir mehrfach unter die Nase hält. Aber ich bin ja nicht Timo Boll und verbringe meine sportlichen Aktivitäten lieber bei den Einheimischen im Lumpini Park. Fast in jedem Park der Stadt wird frühmorgens und abends Sport getrieben; ein kostenloses Open Air Fitness Center für Jedermann. Das finde ich super.

    Der Park vor meinem Hotel ist aber auch ein kostenloser Zoo. Für etwas Kleingeld kann man Fischfutter erwerben und beobachten, wie die Tiere sich gierig und aggressiv wie Piranhas darum reißen. Es gibt exotische Vögel und Warane, die im Wasser wie Krokodile aussehen. Sie lauern auf der Wiese, nur wenige Schritte von den Spaziergängern entfernt.

    Mein Hotel bleibt ein kühler und luxuriöser Rückzugsort. In der 7. Etage liegt vor dem Aufzug ein lebensgroßer weißer Keramikhirsch herum. Die Dekorateure wollten das so. Außerdem gibt es bildhübsche Damen, die die Gäste in Gespräche verwickeln: Hello, my name is... Ob alles in Ordnung ist, wollen sie wissen, wie der Tag war und welche Pläne man für den Abend hat. Das ist beim ersten Mal noch aufmerksamer Service, beim dritten Mal am Tag wird es dann etwas aufdringlich, als wäre man einer Art Beauty-Stasi in die Hände gefallen. Aber Flucht nützt nichts. Daher nehme ich den Service einfach in Anspruch und lasse mir einige andere Suiten zeigen. Mein Interesse am Hotel wird belohnt; ich werde zu Pool-Parties eingeladen und mit Snacks und coolen Drinks in der Signature Lounge verwöhnt. Die tolle Aussicht ist überall dabei, natürlich auch beim umfangreichen Frühstück im Red Oven Restaurant.

    Am Ende dieser Reise werde ich noch Ayutthaya besichtigen und das Leben am Fluss auf mich wirken lassen. Alles sehr schön, aber Bangkok ist nicht meine Stadt. Da gibt es andere, bei denen ich schon im Landeanflug ganz aufgeregt bin, wo ich mich sofort wie zuhause fühle. Aber darüber berichte ich ein andermal.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. August 2014
  2. Bozen

    Bozen Nach Verwarnungen dauerhaft verreist
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    Bangkok sacht er
    find er toll
    weitaus mehr
    als Timo Boll

    Und statt Tennis auf dem Tisch
    füttert er im Park die Fisch´

    Statt in Davids Wandschrank
    - what the hell?! -
    wohnen wir im Sofitel

    David ist schon mausetot
    doch der Hirsch wird schamesrot
    wenn die Damen Lars verwickeln
    in Gespräche, geil und schnell
    - so geht das im Sofitel

    Manch ein Leser mag sich sagen:
    erst nach dreimal hundert Tagen
    schreibt der Lars hier plötzlich los!
    Gab das Sofi vielleicht M...?

    Epilog:
    Guter Beitrag, allemal!
    Fällt Bangkok auch in meine Wahl.
    Vom Zeltplatz bis zum Grandhotel
    fällt eines aus:
    das Sofitel!
     
  3. PaxMaster

    PaxMaster Co-Pilot

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    War aber nett zu lesen - zwischen all den "süss oder salzig" Themen eine echte Erfischung zwischendurch.
     
  4. TXL-forever

    TXL-forever Bronze Member

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    Danke, Bozen! Nachdem ich das Gedicht gestern noch zu später Stunde lesen durfte, bin ich, nachdem ich Lars´Geschichte schon sehr amüsant fand, mit einem Lächeln auf den Lippen eingeschlafen, in dem Wissen, dass hier neben absurden Trollen und Ewig-Besserwissern (wo sind die alle eigentlich geblieben) sich auch noch Leute aufhalten, von denen man echt etwas Mehrwert erfährt. Und zwar in jeder Form.
     

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