Entschädigung für annullierten Flug Schönefeld-Basel

Dieses Thema im Forum "Low Cost Carrier" wurde erstellt von JaBu28, 24. August 2010.

  1. JaBu28

    JaBu28 Entdecker

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    Mein Mann wollt am 08.07.2010 von Berlin-Schönefeld nach Basel fliegen. Als Abflugzeit war 19:05 Uhr angegeben. Bis zum einchecken verlief alles problemlos. Problematisch wurde es erst, als circa eine Stunde nach angegebener Abflugzeit der Flug ohne Angabe von Gründen gestrichen wurde. Das einzige was man ihm in die Hand gab, war die Fluggastinformation von easyJet.

    Er kam am darauf folgenden Tag wieder und ich konnte über die easyJet-Hotline eine Erstattung der Flugkosten erreichen. Als ich mich jedoch an den Customer-Service zwecks Entschädigung richtete, erhielt ich, wie viele, die Standart Antwortmail. Hier wurde meine Forderung auf Entschädigung mit der Begründung, "dass bedingt durch die Flugkontrolle der Flugbetrieb nicht möglich war" und dies einen "aussergewöhnlichen Umstand" darstellt, abgelehnt. Von Haus aus misstrauisch schrieb ich die Berliner Flughafengesellschaft an, um die Gründe für die Annulierung zu erfragen. Diese antworteten mir, dass sie nur bestätigen können, dass der Flug annuliert wurde, weitere Informationen können sie jedoch nicht heraus geben.

    Als nächstes rief ich bei der Deutschen Flugsicherung an, um die oben genannte Begründung zu überprüfen. Das Gespräch ts mit einem Mitarbeiter der Deutschen Flugsicherung ergab jedoch folgendes. Der Verweis, dass "bedingt durch die Flugkontrolle der Flugbetrieb nicht möglich war" (Air Traffic Controll) läßt keine Flugannulierung zu, sondern begründet lediglich eine verspätete Abflugzeit. Zudem teilte mir der Mitarbeitet der Deutschen Flugsicherung mit, dass Ihm keine Informationen vorliegen, welche die Begründung von easyJet als gerechtfertigt erscheinen lassen.

    Ich sah mich nach dieser Mitteilung erneut gezwungen, nähere Informationen zu der Annulierung des Fluges über die kostenpflichtige easyJet-Hotline zu erfragen. Die Mitarbeiterin der easyJet-Hotline mit der Personalnummer 37407 beantwortete meine Frage "Wer den Flug EGQT58H annuliert habe?" folgendermaßen: "Der Flug wurde aufgrund betriebstechnischer Gründe annuliert". Auf mein erneutes Nachfragen "Wer diesen Flug annuliert habe?" teilte mir Ihre Mitarbeiterin mit "Die Fluggesellschaft selbst".

    Mit diesen Informationen schrieb ich erneut eine Email an den Customer-Service und die Antwort lautet wie folgt: "vielen Dank, dass Sie uns kontaktiert haben. Wir halten an unserer Darstellung fest. Nochmals vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns zu kontaktieren. Sollten Sie weitere Hilfe benötigen, zögern Sie bitte nicht, erneut mit uns Kontakt aufzunehmen. Wir sind Ihnen gerne jederzeit behilflich.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Uif Reinsperger
    easyJet Kundenbetreuung"
     
  2. Guest

    Guest Guest

    Was genau willst du wissen? Wie man mit easyJet bei derartigen Konflikten umgehen kann / sollte, ist in diversen anderen Threads rund um diesen schon nachzulesen. Ich würde dir diese Lektüre erstmal empfehlen.
     
  3. Sir

    Sir Bronze Member

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    Hallo fenrir,

    JaBu28 geht es um die Vorbereitung einer Klage. Die Frage hat sie einem anderen Thread schon gestellt. Ich werde dazu auch noch antworten.
    Sir
     
  4. JaBu28

    JaBu28 Entdecker

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    @ Sir

    wollt mal fragen , wie es bei Dir ausieht. Denn die nächste Zeit werd ich nicht erreichbar sein, aber Samstag in Berlin.

    Jabu
     
  5. Sir

    Sir Bronze Member

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    Hallo JaBu,

    ich sitze morgen im Zug und habe dann Zeit dafür. Ich melde mich dann.
    Sir
     
  6. JaBu28

    JaBu28 Entdecker

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    Lieber Sir,

    Danke!

    Gruß Jabu
     
  7. Sir

    Sir Bronze Member

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    Hallo JaBu28,

    ich verstehe nicht so richtig, wenn Du schreibst: „Er kam am darauf folgenden Tag wieder . . . Wo war denn Dein Man so lange, wenn er nicht geflogen ist?

    Im Ergebnis ist wohl aber jedenfalls der Flug annulliert worden. Ich schlage daher vor, dass Du Klage erhebst. Wie Du siehst, beißt man sich am Customer Service nur die Zähne aus.

    Du musst allerdings bei einer Klage in Vorleistung gehen und ein bisschen gute Nerven haben. Nachdem Du die Klage an das AG Königs-Wusterhausen geschickt hast, wirst Du aufgefordert, einen Gerichtskostenvorschuss von 75,- EUR zu zahlen. Die erhältst Du von Easyjet erstattet, wenn Du gewinnst, wovon auszugehen ist. Falls Du verlierst, bleibst Du auf den 75,- EUR sitzen und musst noch die gegnerischen Anwaltskosten von ca. 80-90,- EUR zahlen, genau habe ich das gerade nicht im Kopf. Eigene Anwaltskosten hast Du nicht, wenn Du alles selbst machst. Das ist übrigens machbar. Einen Anwalt brauchst Du nicht, wenn Du willens bist, den Aufwand selbst zu betreiben. Den wesentlichen Aufwand hast Du aber schon betrieben. Also würde ich Dir wirklich raten, den Rest auch selbst durchzuziehen. Du kannst es ja auch als Kurs in Gesellschaftskunde sehen.

    Du wirst sehen, die Klage ist alles andere als komplex. Das hängt damit zusammen, dass Entlastungsgründe von Easyjet vorgetragen werden müssen. Du musst eigentlich nur vortragen, dass Dein Mann pünklich am Flughafen war und der Flug nicht durchgeführt worden ist. Außerdem musst Du vortragen, dass Du EJ vergeblich zur Zahlung aufgefordert hast und dass man Dir endgültig Zahlung verweigert hat. Das ist notwendig, weil Du ansonsten Gefahr liefest, die Prozesskosten auch dann zu tragen, wenn Du gewinnst.

    EJ wird nach Deiner Schilderung keinen außergewöhnlichen Umstand vortragen können. Meine Vermutung ist übrigens, dass hier wieder mal ein Überschreiten der Dienstzeiten das eigentliche Problem waren. Das stellt aber ebenfalls keinen außergewöhnlichen Umstand dar, weil dies schlicht auf Organisationsverschulden von EJ beruht. Also keine Angst. Wie in den allermeisten Fällen, in denen Entschädigungsklagen vor Gericht kamen, wird auch diese höchstwahrscheinlich mit einem Unterliegen der Airline enden. Ich nehme sogar an, dass EJ die Klageforderung, wie in meinem eigenen Fall, anerkennen wird. Dann wirst Du noch nicht einmal das Amtsgericht von innen zu sehen bekommen.

    Und noch etwas, um Dir die Angst vor Kosten zu nehmen: Wenn Easyjet tatsächlich wider Erwarten im schriftlichen Vorverfahren Umstände vorträgt, die einen außergewöhnlichen Umstand begründen, kannst Du die Klage auch immer noch zurücknehmen und dadurch die Kosten erheblich reduzieren.

    So und jetzt zur Klage Deines Mannes. Der Sachverhalt in der Klage sollte noch ein wenig angereichert werden. Du kannst die Begründung der Klage mit Deinen Ergänzungen vor dem Abschicken der Klage an das Gericht auch noch mal posten, wenn Du willst. Dann schau ich nochmal rüber.

    An das Gericht muss die von Deinem Mann unterschriebene Klage einmal im Original und ein zweites Mal als Fotokopie geschickt werden. Auf die Fotokopie schreibst Du handschriftlich „Kopie“.

    Die Klage könnte folgendermaßen aussehen:

    An das
    Amtsgericht Königs Wusterhausen
    Schloßplatz 4,
    15711 Königs Wusterhausen
    Berlin, . . . . 2010




    KLAGE

    in eigener Sache

    - Kläger -

    gegen

    easyJet Airline Company Limited, Deutsche Niederlassung, vertreten durch den Regionalgeschäftsführer Herrn Thomas Haagensen, Flughafen Berlin-Schönefeld, 12529 Berlin,

    - Beklagte -


    wegen Entschädigung für Flugverspätung

    Streitwert: 250,-EUR

    erhebe ich Klage und beantrage:


    Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger einen Betrag in Höhe von 250,- EUR nebst Zinsen in Höhe von 5 % Punkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit zu zahlen.
    Für den Fall eines schriftlichen Vorverfahrens beantrage ich,

    1. im Falle eines Anerkenntnisses der Beklagten die Beklagte entsprechend ihres Anerkenntnisses,

    2. im Falle einer nicht rechtzeitigen Anzeige der Verteidigungsbereitschaft die Beklagte durch Versäumnisurteil zu verurteilen.




    Begründung:

    Ich verlange Entschädigung wegen Annullierung meines Fluges.

    Bei der Beklagten hatte ich einen Flug mit der Flugnummer . . . . von Berlin Schönefeld nach Basel für den 8.7.2010 gebucht. Abflugzeit war 19:05 Uhr. Bis zum Einchecken verlief alles problemlos. Circa eine Stunde nach Abflugzeit wurde der Flug ohne Angabe von Gründen gestrichen. (Noch mehr Detail dazu, was sich hinter „gestrichen“ verbirgt.)

    Per email vom . . . . wandte ich mich an den Kundendienst der Beklagten und verlangte Entschädigung in Höhe von 250,- EUR gem. Art. 7 Abs. 1 a) der EG VO 261/2004.

    Die Beklagte lehnte dies im Verlaufe unseres Email-Verkehrs wiederholt ab. Sie berief sich auf das Vorliegen eines außergewöhnlichen Umstands, der sie von der Entschädigungspflicht entlaste. Zur Begründung verwies der Kundendienst lediglich darauf, "dass bedingt durch die Flugkontrolle der Flugbetrieb nicht möglich war".

    Trotz meiner Aufforderung zur Entschädigungszahlung per Email lehnte die Beklagte mein Begehren ab. Klage ist daher geboten.



    Rechtliche Ausführung:

    Der geltend gemachte Anspruch richtet sich nach den Vorschriften der EG VO 261/2004.

    Nach Art. 5 Abs. 1 c) dieser Verordnung besteht im Falle der Flugannullierung ein Anspruch auf Ausgleichsleistungen nach Art. 7. Der Flug wurde nicht durchgeführt, also annulliert. Er wurde nicht verschoben.

    Ein Entlastungsgrund nach Art. 5 Abs. 3 VO 261/2004 ist nicht ersichtlich. Eingriffe der Flugkontrolle rechtfertigen möglicherweise eine Verspätung des Abflugs, nicht aber eine Annullierung.

    Die geltend gemachte Zinsforderung ergibt sich aus §§ 288, 291 BGB.

    Unterschrift
     
  8. JaBu28

    JaBu28 Entdecker

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    Lieber Sir,

    zunächst einmal Danke, Danke und nochmals Danke.
    Zudem "er kam am darauf folgendem tag wieder" meinte ich zu mir nach Hause.

    In der Formulierung "wegen" müsste es da nicht heißten, wegen Annullierung?
    Was bedeutet "noch mehr Details was unter gestichten zu verstehen ist"?
    Was meinst du mit "noch ein bisschen anreichern"? Sollt ich die Email anfügen oder die Schilderungen etwas umformuliert, wie zuvor gepostet?
    Wie ist das mit den Kosten? Ist die Erstattung, im Falle des Erfolges, mit beantragt?
    Muss ich die Klage per Einschreiben übersenden oder reicht de normale postlische Weg?

    So ich glaub jetzt hab ich meinerseits die wesentlichen Fragen gestellt.

    Herzlichst Jabu
     
  9. Sir

    Sir Bronze Member

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    Hast recht, es muss heissen "wegen Flugannullierung".
    Mit anreichern meinte ich: wie wurde die Flugstreichung bekannt gemacht? Und
    mit Emails von welchem Datum hast Du dem Customer Service geschrieben? Eigentlich waere es das auch schon.
    Einen Kostenantrag brauchst Du nicht stellen. Das ist dann spaeter ein Automatismus.

    Die Emails brauchst Du nicht beifuegen, nur aufheben.

    Schoenes WE
    Sir
     
  10. Sir

    Sir Bronze Member

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    Noch ein Nachtrag: nein, es muss kein Einschreiben sein. Ganz normale Post genuegt.
    Uind uebrigens ueber der Zeile "Klaeger" in der Klageschrift kann da wo jetzt "in eigener Sache" steht, natuerlich auch der Name und Adresse Deines Mannes rein. Das ist aber nicht zwingend solange der ueberhaupt irgendwo auftaucht.
    Sir
     
  11. JaBu28

    JaBu28 Entdecker

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    Lieber Sir,

    gleiches wünsch ich ebenfals.

    Gruß Jabu
     
  12. JaBu28

    JaBu28 Entdecker

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    @ Sir,

    entschuldige, dass ich mich längere zeit nicht gemeldet habe (zunächst Urlaub, dann Prüfungsvorbereitung als auch Durchführung). Ich werd mich jetzt an die Klageschrift setzen und sie dann einstellen, falls Du noch einmal drüber gucken konntest.

    Grüße Jabu
     
  13. Sir

    Sir Bronze Member

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    Kannst Du so machen. Hoffe, Deine Prüfung war okay. Schönes Wochenende!
    Sir
     
  14. Guest

    Guest Guest

    Nochmal ein paar Ansätze weil so wichtig für die meisten Betroffenen:

    - grundsätzlich sollte man versuchen vor Ort also am Flughafen sich eine schrifliche Bestätigung einholen
    über das "Fehverhalten"

    - erst mal bei annullierung schauen dass man einen vergleichbaren Ersatzflug bekommt / falls nicht möglich,
    dafür sorgen, dass etwaiger Hotelersatz beschafft wird - zu Lasten per Airline - also per Gutschein, Telefonat,
    Schriftstück etc. + Taxi (Zug)kosten - Essenskosten

    - wenn Kulanzregelungen / Angebote zur Güte nicht helfen muss man u.U. daheim zum Anwalt gehen
    und auch mitunter vor das Gericht schreiten (verschiedene Instanzen bis gewünschter Erfolg eintritt)
     
  15. B743

    B743 Silver Member

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    Stehst du unter Drogen oder immer noch Schulferien in D??
     

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