TUIfly: Zwischenfall bei Landung in TXL

Dieses Thema im Forum "Low Cost Carrier" wurde erstellt von UncleSamDavid, 6. Januar 2008.

  1. UncleSamDavid

    UncleSamDavid Diamond Member

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    http://www.n-tv.de/900127.html

    Na, das ist ja fast schon "BILD"-Niveau. :shock:

    Hoffentlich haben sie wenigstens diesmal nicht applaudiert - dann hätte das Ganze ja noch was Gutes 8)
     
  2. trichter

    trichter Platinum Member

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    Na das trieft jetzt ja wieder vor Sachkenntnis:

    „Die Landeklappen des Flugzeugs vom Typ Boeing 737-800 funktionierten nicht, so dass der Pilot das Flugzeug auf der Landebahn in Tegel allein mit den Bremsen zum Stehen bringen musste“

    Jetzt bremsen Flugzeuge also mit Landeklappen…vielleicht hatte das eher etwas mit der Anfluggeschwindigkeit zu tun?

    grusel :evil:
     
  3. Peruaner

    Peruaner Diamond Member

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    die presse halt :D
     
  4. PVG

    PVG Bronze Member

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    Doch, natürlich "bremst" ein Flugzeug nicht mit Landeklappen, aber ausgefahrene Flaps erhöhen den Wiederstand ganz erheblich, was eine geringe Geschwindingkeit zur Folge hat.
    Schon vor der Landung verringern sie die Anflugsgeschwindingkeit, und der Bremsweg wird verkürzt.
    An Fensterplätzen kann man gut beobachten, wie direkt nach touch down alle Flaps ausgefahren werden, um die Bremsen zu entlasten.
    Es gibt ein sehr interessantes Buch "Warum sie oben bleiben" von Jürgen Heermann, ich zitiere mal von seiner Website (http://www.flugingenieur.de):

     
  5. trichter

    trichter Platinum Member

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    Hey PVG , sonst fällst Du mir immer durch Deine gut durchdachten Beiträge auf. Natürlich führen ausgefahrene Landeklappen zu größerem Luftwiderstand und das "bremst" dann auch. Landeklappen werden zur Änderung des Flügelprofils genutzt um den Auftrieb zu erhöhen und damit langsamer fliegen zu können. Wenn sie nicht funktionieren muss die Anfluggeschwindigkeit erhöht werden und damit ist eine stärkere Bremsleistung nach der Landung nötig. Ich bimmer erstaunt wie mangelhaft manche Pressebeiträge sind...nochmal grusl...
    Speedbrakes oder Störklappen zerstören den Auftrieb und bringen nur Widerstand, werden auch nicht als Landeklappen bezeichnet...
     
  6. PVG

    PVG Bronze Member

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    Deine Ausführung ist richtig, dennoch hast du die Spoiler vergessen, die unmittelbar nach dem Aufsetzen ausgefahren werden, um das Flugzeug abzubremsen.
    Bevor ich hier viel dazu schreibe, schau dir doch mal diesen Film http://de.youtube.com/watch?v=7kL5eX3lHOo an, also eine 737-500.
    Dort siehst du bei 1:10 direkt nach dem Aufsetzten das Ausfahren der Spoiler, und bei 1:45 das Einfahren beim Abbiegen vom Runway auf den Taxiway (und bei ca 2:00 das Einfahren der Flaps)

    Im Pressebericht steht ja "Landeklappen", also ähnlich genau wie "Luftlöcher".

    Details sind ja noch nicht bekannt, aber scheinbar ist es doch so, dass ZUM EINEN die Flaps defekt waren und dafür gesorgt haben, dass der Flieger viel zu schnell landet und dann NOCH ZUSÄTZLICH die Spoiler, die die Bremsen unterstützen.

    Deswegen finde ich
    „Die Landeklappen des Flugzeugs vom Typ Boeing 737-800 funktionierten nicht, so dass der Pilot das Flugzeug auf der Landebahn in Tegel allein mit den Bremsen zum Stehen bringen musste“ nicht wirklich falsch....
     
  7. Guest

    Guest Guest

    Ist komplett falsch.

    Zum Bremsen des Flugzeugs werden die Hydraulikbremsen des Fahrwerks sowie der Umkehrschub der Triebwerke benutzt. Mit dem BREMSEN haben Landeklappen nix zu tun.

    Sollten tatsächlich die Landeklappen komplett defekt gewesen sein, hätte der Pilot das Flugzeug mit einer deutlich höheren Geschwindigkeit aufsetzen müssen. Dann muss er zwar ordentlich "in die Eisen" steigen, aber wirklich dramatisch ist das nicht.

    Was tatsächlich war, lässt sich DEM Bericht aber kaum entnehmen.
     
  8. PVG

    PVG Bronze Member

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    Warum werden alle Spoiler dann zusammengefasst als "Speed Brake System" bezeichnet?
     
  9. UncleSamDavid

    UncleSamDavid Diamond Member

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    Für mich hat sich der Bericht so angehört, als seien die Landeklappen ("Flaps") defekt gewesen, dadurch musste der Pilot mit höherer Landegeschwindigkeit aufsetzen und - auch bei funktionierenden Speed Brakes - entsprechend stark abbremsen, damit die Landebahn noch "ausreicht". Dies birgt die Gefahr, dass die Bremsen überhitzen und im Extremfall ein Feuer verursachen. Deswegen auch die anschließende Inspektion durch die Flughafenfeuerwehr.

    Aber insgesamt nichts dramatisches und etwas, was Piloten durchaus trainieren. Und mit Sicherheit keine "Notlandung".
     
  10. Guest

    Guest Guest

    Als "Speed Brake" kenne ich die Störklappen.

    Selbst wenn man den Begriff mal weiter fasst und ALLE Klappen - also Störklappen und die gemeinhin als "Landeklappen" bezeichneten - zusammennimmt: Bremsen kannst Du maximal mit den Störklappen ein bisschen, aber als echte Bremse kann man das ja kaum bezeichnen.

    Der Auto des ntv-Artikels hat eben einfach von Fliegerei soviel Ahnung wie eine Kuh vom Fliegen. Das genügt für einen reisserischen Artikel.

    Die einzige Aussage, die meiner Meinung nach Sinn macht, ist die, daß die Landeklappen nicht funktionierten. Daraus ergibt sich eine höhere Anfluggeschwindigkeit (737-800, trocken, 60t ca. 190 kts. ohne Vorflügel - also alle Klappen defekt). BREMSEN tut man dann - wenn man mit der hohen Geschwindigkeit gelandet ist, trotzdem mit Reverse Thrust und Hydraulikbremsen. Und somit ist die ursprüngliche Aussage in dem ntv-Bericht einfach falsch.

    Zur Dramatik: Bei einer "Vollbremsung" braucht die 737-800 aus 190kts. ca. 1300m. Die längere Bahn in Tegel ist 3000m lang.
     
  11. PVG

    PVG Bronze Member

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    Also, wir haben also ailerons, spoiler und flaps.

    Während die flaps die Anfluggeschwindigkeit senken, werden die spoiler nach dem Aufsetzen des Fliegers benutzt, (ich traue mich hier schon gar nicht mehr, "bremsen" zu sagen ), um die Geschwindigkeit des Fliegers schnell zu senken und die Bremsen zu entlasten.

    Spoiler sind zu deutsch auch die Störklappen und somit das speed brake system.

    Theoretisch sicher richtig, praktisch aber so, dass fast alle Piloten eine Vollbremsung nur aus dem Simulator kennen und nie tatsächlich durchgeführt haben.
    Die Reifen können sich erhitzen, es kann ein Feuer ausbrechen.
    Es ist auch nicht selbstverständlich, bei hoher Anflugsgeschwindigkeit die Bahn mittig zu treffen und somit die vollen 3000m zum Ausrollen zu haben.
    Zudem die 737 am Notfenster keine Rutschen hat, weil man dank den Flaps herunterrutschen kann, und wenn diese nicht ausgefahren sind stehen nicht alle Notausgänge zur Verfügung.

    Natürlich keine klassische "Notlandung", aber nichtsdesdotrotz eine fliegerische Leistung der Crew, und ich kann alle Passagiere auch verstehen, wenn sie geschockt sind.
    Auf eine Notlandung vorbereitet werden und nicht zu wissen, ob man die nächsten 5 Minuten heil übersteht.
     
  12. trichter

    trichter Platinum Member

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    Also auch wenn wir Dich nicht davon überzeugen können, dass der Artikel mehr als nur ziemlich schlecht recherchiert war, stimme ich Dir vollkommen zu was die Auswirkung auf die Passagiere angeht. Da das System der Pilotenausbildung ja nicht vor Crews schützt die auch mal einen Airbus leerfliegen kann man sicher auch sagen, dass es eine routinierte Leistung ist eine eigentlich zu schnelle Maschine zu landen. Rückblickend betrachtet ist ja immer alles einfach.
    Wenn man sich aber als Pax in der Situation befindet in der der Pilot von Problemen berichtet sieht das dann doch anders aus. Völlig anders…
     
  13. Guest

    Guest Guest

    Was die Auswirkung auf die Passagiere angeht, liegst Du sicher richtig. Zumal der "Normalpassagier" sich ja auch wenig drunter vorstellen kann, was da passiert, falls der Pilot überhaupt detaillierte Infos über die Art des Problems weitergibt.

    Ach, dann flieg mal mit LH nach Bremen, wenn die die "erste" Ausfahrt (ich glaube aus der Erinnerung es muss "C" von der 27 gewesen sein) bekommen wollen.....! :D

    Wobei auch da Deine Aussage natürlich richtig ist. Heute wird ja fast das gesamte Training (mit Ausnahme der allerersten Musterberechtigung) nur noch im Simulator gemacht.
     
  14. BER Flyer

    BER Flyer Gold Member

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    Ich will einem Fachmann nicht ins Wort fallen aber müsste bei flaps 0 ( auch keine Vorflügelklappen ) die Aufsetzgeschwindigkeit nicht bei über 200 knoten liegen? Zudem kann man dem Bericht nicht entnehmen das der Pilot die Maschine trocken geflogen hat. Was den Bremsweg betrifft: 1300m nur mit Schubumkehr ( die hier ja funktionierte ), der max. Bremsweg wird im Zulassungsverfahren unter Vollast nur über die hydraulischen Bremsen ausgetestet ( ohne Schubumkehr! ), da so ein Flieger auch ohne laufende Triebwerke und damit ohne Schubumkehr landen kann. Das dürften dann deutlich mehr als 1300 m sein. Ich weiß gar nicht ob bei der Zulassung jemals ein Fall ohne Triebwerke und ohne Flaps getestet wird ( bzw. im Simulator geübt ).
    Und natürlich werden nicht die "Reifen heiss" wie jemand hier bemerkte, es sind die keramischen Bremsscheiben die sich auf mehrere hundert Grad erhitzen.
     
  15. Guest

    Guest Guest

    Fachmann bin ich nicht, da ich weder Ingenieur noch Berufspilot bin - ist nur ein Hobby.
    Die von mir genannten Werte sind in so fern auch in Frage zu stellen, weil wir nicht wissen, wie die exakten Bedingungen waren. Wenn die Runway nicht total trocken ist, sind 1300m sicher auch nicht zu schaffen.

    Aber es geht im Kern der Sache in diesem Thread ja darum, daß der ntv-Artikel teilweise inhaltlicher Quatsch ist. Und daran ändern auch 200kts nichts. Und defekte Klappen (flaps) bedeuten nach wie vor, daß die Bremsen und die Schubumkehr funktionieren sollten.

    Wäre die Aussage "nur mit den Bremsen zum stehen bringen" richtig, dann wären in der Tat noch beide Triebwerke bzw. zumindest die Schubumkehr ausgefallen. Das wäre dann ein ernst zu nehmer Zwischenfall.
     
  16. Guest

    Guest Guest

    Ich verstehe die Diskussion nicht ganz. Jeder Massenmedienbericht zum Thema Flugunfälle ist voller Fehler, Quatsch und Unsinn. Ohne Ausnahme. Das ist ein Naturgesetz. Das ist übrigens auch bei vielen anderen Themen so. Genau genommen bei den meisten.
     
  17. somkiat

    somkiat Diamond Member

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    So isses .
     
  18. BER Flyer

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    Richtig, das ist gerade bei Berichten über Flugzwischenfälle normal, leider selbst in Fachzeitschriften. Was mich an diesem besonderen Fall stört sind die "totenbleich in Gurten hägenden Fluggäste". Hätte der Pilot keine Ankündigung gemacht hätten wohl nur einige Vielflieger etwas bemerkt, die anderen hätten nur zu Hause erzählt "das der Pilot wie in Irrer in die Eisen gestiegen ist". Da Sache wäre erst viel später publik geworden da es sich um einen meldepflichtigen Zwischenfall handelt.
     
  19. PVG

    PVG Bronze Member

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    Ja, ich habe einmal ein Video eines Startabbruches innerhalb der Kabine gesehen.
    Mit "normalem" Bremsen nicht zu vergleichen.
    Bei einer erwarteten Notlandung muß man ja auch Schmuck, Brillen, Krawatten abnehmen, sich eng anschnallen und die Arme gegen den Vordersitz drücken und den Kopf darauf legen.
    Ich finde es auch begrüssenswert von der Crew, wenn man auf eine Notlandung hingewiesen wird.
    Schlimm wäre es doch, wenn man im Sitz lümmelt und die Bildzeitung liest ( :twisted:), sich noch wundert warum neben der Landebahn so viele Blaulichter zu sehen sind, und sich bei der Vollbremsung einen Schädelbruch holt weil man gegen den Vordersitz donnert, und hinterher von der Airline hören würde:
    Ach, wir wollten sie nicht beunruhigen, der Pilot übt das immer im Simulator, wir haben halt gedacht der kann das schon....
     
  20. Guest

    Guest Guest

    Was wäre daran schlimm?
    Das wäre doch nur gerecht.
     

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