Down anders

Dieses Thema im Forum "Trip Reports" wurde erstellt von vegaslars, 31. März 2011.

  1. vegaslars

    vegaslars Gold Member

    Beiträge:
    854
    Likes:
    4
    Der Winter zog sich hin und mein runder Geburtstag stand an. Das musste an Rechtfertigungen für eine neue Reise ausreichen, denn eigentlich wollte ich gerne noch einmal nach Australien zurück. Meine Meilen reichten gerade noch für einen Flug zweiter Klasse (hab doch so schlimme Economy-Flugangst) aus. Als Airline wies man mir die Thai zu, nicht gerade meine erste Wahl, aber manchmal muss man dankbar sein, für das, was man bekommt.

    So ging es also über Zürich und Bangkok nach Sydney. Die Reihe 11 im A340 600 bot viel Platz und interessante Einblicke in die Abläufe der First Class. Die Sitze selbst waren etwas schmal und klapprig. Attraktive Damen bedienten uns und die Klischees von asiatischen Flugbegleiterinnen gleichermaßen souverän, mit fließenden Bewegungen, schmalen Taillen und glänzendem Haar, smooth as silk. In der First Class knieten sie ehrfürchtig vor den Gästen auf dem Boden, aber möchte man das?

    Das Essen überzeugte nicht ganz, wenn man auch satt wurde. Die Lounge in Bangkok war völlig überfüllt und es gab keinen Wein. Nicht dass ich ungehalten gewesen wäre, nur meine linke Augenbraue erhob sich zeitweise zurück in Richtung kürzlich noch erreichter Reiseflughöhe.

    Sydney ist eine der schönsten Städte der Welt, leider recht kostspielig im touristischen Unterhalt. Schon im Anflug kann man den Hafen und die Oper sehen. Einen internationalen Flughafen erkennt man daran, das sächsisch gesprochen wird, unter anderem natürlich. „Wo müssma denn jetzte nu hin?“, fragt sich das reizende junge Paar. Die vielen Schilder mit der scheinbar jeweils richtigen Antwort verlieren sich in der Übersetzung.

    Nach einer Nacht im Airporthotel geht es weiter nach Melbourne - endlich mal wieder Fliegen - qantastisch! Auf dem Monitor wird man von John Travolta als Flugkapitän begrüßt, ist er ja auch.

    Melbourne liegt am Meer, hat eine Skyline und einen wirklich schönen botansichen Garten. Nur reicht das einfach nicht aus, um eine wirklich attraktive Stadt zu sein. Das Thorn-Birds-feeling will nicht so richtig aufkommen. Dafür kann man interessante Ausflüge in die Umgebung machen, wie etwa eine Fahrt durch den Regenwald mit dem historischen Dampfzug: „Puffing Billy“ oder nach Phillip Island, wo allabendlich relativ pünktlich (es gibt einen Count down) lustige Pinguine aus dem Meer watscheln.

    Am Rande der Great Ocean Road besuche ich einen dilettantisch eingerichteten Wildlife-Park. Hier darf man Kängurus füttern (nachdem man das Futter vorab erworben hat, versteht sich). Auch treffe ich die ach so niedlichen Koalas wieder. Die rundlichen, haarigen Kreaturen fressen fast den ganzen Tag, und während sie noch darüber nachdenken, ob sich eine Bewegung lohnt, schlafen sie ein. Da könnte ich mich ebenso gut mit unserer Sekretärin fotografieren lassen.

    Zurück in Sydney. Ich habe ein schönes Hotel mit Balkon und Blick auf die Skyline, seitlich sogar auf die Oper. Vier Jahre zuvor gab mir eine weniger nette Asiatin in einem dieser unterirdischen Food Courts ein Essen von noch weiter unten und versicherte mir dabei, dass es frischer wäre, als die anderen. Das war gelogen! Und so lag ich wenig später in diesem viktorianischen Hotelzimmer flach. Alles Überflüssige hatte fluchtartig meinen Körper verlassen, der zunehmend schwächer wurde und dessen Temperatur ungebremst die 40-Grad-Marke hinter sich ließ. Draußen dröhnten die Bässe der Mardi Gras Parade, in jenem Jahr angeführt von Rupert Everett. Wie in einer Prozession wurden riesige „K“ s durch die Straßen getragen, zu Ehren Australiens ungekrönter Königin Kylie. Und obwohl es vermutlich bedeutend schlechtere Orte zum Sterben als Sydney, Australien gibt, wollte ich doch die Meilen für den Rückflug nur ungern verfallen lassen. Also aktivierte ich meine Selbstheilungskräfte und wurde langsam wieder gesund.

    Diesmal meide ich Food Courts. Die Strände und den Zoo besuche ich dagegen gerne noch einmal.

    Auf dem Rückweg bin ich erstmals für einige Tage in Bangkok. Aber als sich die Flugzeugtür öffnet, schlägt mir die Hitze entgegen, unvermittelt und gnadenlos wie der Fuß eines Thai-Boxers. Auch sonst kein Duft royaler Orchideen.
    Also schnell ins klimatisierte Hotel. Nicht weit vom Fluss erhebt sich der State Tower. Düster und verfallen, wie der Turmbau zu Babel, beherbergt er jedoch das viel empfohlene Lebua. Auch wenn die Lobby im Vergleich zum benachbarten „Shangri-La“ eher backpackerstyle mit Piano ist, birgt dieses Haus Qualitäten, deretwegen man gerne wiederkommt.
    Es mag besser sein vom Hotel aus auf das gegenüber liegende Krankenhaus zu blicken als umgekehrt, aber ich bekomme eine Riverview-Suite mit einem King Size Bett, dass seinen Namen verdient. Es gibt keine Bulgari-Kosmetikartikel, keinen Flachbildfernseher und moderne Einrichtung sieht auch anders aus, aber es gibt viel Platz, das Singha steht kalt und man fühlt sich einfach sofort wohl. Vor allem nach dem unglaublichen Frühstück. (Die Säfte als frisch zu bezeichnen ist zwar etwas gewagt, aber die Chocolate-Orange-Brioche entschädigt vieles.)

    Bangkok ist nicht so ganz meine Stadt; die Hitze ist anstrengend und dabei beruhigt es kaum, dass selbst die Thais sich entnervt Luft zufächeln. Im Lumpinipark kann man den Einheimischen beim Sport zusehen oder auch andere Touristen beobachten; etwa wenn Vati sich nach den hübschen Mädchen umdreht und Mutti zischt: „Glotz bloß nicht so, dass sind Ladyboys!“.

    Das „Transferproblem“ löse ich übrigens mit diversen öffentlichen Verkehrsmitteln, auf dem Rückweg zum Flughafen sorgt mein Hotel dafür, dass mich ein seriöser Taxifahrer sicher, schnell und preiswert zum Terminal bringt.

    Thai Airways hat in Bangkok immerhin wirklich separate Check-In-Bereiche für First- und Business-Reisende. Hier wird man nicht zum Economy-Schalter rübergewunken, weil es da gerade nichts zu tun gibt. Zum Loungezugang reicht der Boarding Pass aus. Dubiose Statuskarten, tabellarische Lebensläufe, zweideutiges Zwinkern, dezent versteckte Trinkgelder oder Blattgold kaufen und auf den Loungedrachen kleben (fast alles schon gesehen), ist hier nicht erforderlich.

    Der Rückflug ist nicht ganz so angenehm. Die Kabine ist voll und ich würde gern einen Film sehen. Sehen geht auch, aber hören nicht. Man überprüft, man startet neu, man tauscht die Kopfhörer aus, man läuft hilflos davon. Mit wem also muss ich schlafen, um ein funktionierendes IFE zu bekommen? Die Frage bleibt besser unausgesprochen - nicht aus moralischen Gründen, aber die Zeiten, in denen zur Antwort eine nicht unerhebliche Anzahl von Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern vor meinem Sitz eine Reihe gebildet hätten, sind scheinbar unwiederbringlich vorbei.

    Ach ja, der runde Geburtstag. Zurück in Deutschland finde ich nette Karten, auch von Firmen, denen ich irgendwann mal eine Rechnung bezahlt habe. Von LH/M&M gibt es dagegen nicht mal eine E-Mail. Ich muss eben einfach viel mehr fliegen.
     
  2. miles-and-points

    miles-and-points Nach Verwarnungen dauerhaft verreist
    (User ist permanent gesperrt)

    Beiträge:
    48.788
    Likes:
    0
    Das ist wohl wahr. 8)
     
  3. Krug56

    Krug56 Platinum Member

    Beiträge:
    1.494
    Likes:
    5
    Immer wieder schön zum Lesen! :lol:
    Weiterhin Grüße Aus Bielefeld
     
  4. UncleSamDavid

    UncleSamDavid Diamond Member

    Beiträge:
    2.584
    Likes:
    0
    Schöner Bericht, danke!
     
  5. vegaslars

    vegaslars Gold Member

    Beiträge:
    854
    Likes:
    4
    Ein herzliches "Gerne doch!". Wollte noch hinzufügen, dass es für das defekte IFE von Thai Airways einen Gutschein über 300 USD gab.
     

Diese Seite empfehlen