Ersatzlose Flugstreichung

Dieses Thema im Forum "Reiserecht" wurde erstellt von tobiboy2006, 24. Oktober 2014.

  1. tobiboy2006

    tobiboy2006 Newbie

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    Guten Tag,

    ich habe gerade (5 Tage vor Reisebeginn) eine Email erhalten, dass mein Rückflug (erst in über einem Monat) ersatzlos gestrichen wurde. Die einzige Möglichkeit war die Stornierung der Reise, da ich nur für ein vielfaches der Gesamtreisekosten wieder zurückgekommen wäre.
    Jetzt die Frage, habe ich auch einen Entschädigungsanspruch, wenn nur der Rückflug (in einiger Zeit) betroffen war, der Hinflug aber bereits in der gleichen Woche stattfinden sollte? Immerhin sind einiges an Reiseplanungs-, Visums- und Impfkosten angefallen. Hotels ließen sich zum Glück kostenfrei stornieren.
    Wie würde es sich verhalten, wenn ich jetzt einfach den Hinflug in Anspruch genommen hätte? Würde von der Airline einfach nur ein Teil der gebuchten Leistung erfüllt werden?

    Vielen Dank und Grüße
    Tobi
     
  2. sowas

    sowas Gold Member

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    Warum hast Du Dich nicht einfach auf einen anderen Rückflug umbuchen lassen? Welche Strecke und welche Fluggesellschaft war das und waren Hin und Rückflug auf einem Ticket?
     
  3. tobiboy2006

    tobiboy2006 Newbie

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    Es handelte sich um eine ersatzlose Streichung. Es gab keine Alternative, da die Fluggesellschaft Biman die Strecke Dhaka (Bangladesch) - Frankfurt einstellt, wurde mir gesagt.
    Hinflug sollte am Montag, Rückflug am 02. Januar sein.
     
  4. xcirrusx

    xcirrusx Gold Member

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    Ahhh,

    der Biman Errorfare. Da gab es doch bei den Nachbarn entsprechend die Alternativen für die Betroffenen deren Buchung gestrichen wurde.

    Aus dem Gedächtnis, da zu faul drüben zu suchen:

    1. Akzeptieren der Streichung und Geld zurück
    2. Eigenanreise nach FCO und Erstattung des Tix ex-FRA nach FCO durch den Biman Agent in DE
    3. komplette Umbuchung auf EK/EY ex-FRA

    letzteres nur nach Diskussion und Verweis auf die Rechtslage.
     
    Schlesinger gefällt das.
  5. Schlesinger

    Schlesinger Silver Member

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    Es handelt sich lt. Sachverhalt offenbar um eine Nichtbeförderung. Jedoch kann der Passagier hier keine Ausgleichszahlung gem. der europ. Fluggastrechteverordnung geltend machen, da deren Bestimmungen schon allein aus zwei Gründen keine Anwendung finden:
    1. es handelt sich um einen Flug von Außereuropa nach Europe mit einer außereueropäischen Airline,
    2. die Nichtbeförderung wurde mehr als 14 Tage vor Abflug bekanntgegeben.

    Zwischen dem Passagier und der Airline besteht ein Beförderungsvertrag, also ein Unterfall des Werkvertrages. Bestehende Verträge sind nach deutschem Recht einzuhalten! Streicht die Airline einen Flug (Rückflug) komplett, muß sie dem Passagier eine geeignete Ersatzbeföderung anbieten. Tut sie dies nicht, macht sie sich schadenersatzpflcihtig. Dann kann der Passagier auf eigene Kosten einen Flug woanders buchen und den Mehrpreis der Airline in Rechnung stellen. Soviel zur deutschen Rechtslage.

    Die Schwierigkeit wird allerdings darin bestehen, dieses Recht durchzusetzen, schließlich haben wir es mit einer Airline aus Bangladesh zu tun.

    Und - eine weitere Schwierigkeit:
    Hier habe ich mal gegoogelt und bin auf folgende Seite gestoßen: http://travel-dealz.de/blog/biman-airlines-error-fare/
    Hier wurden offenbar Business-Flüge fehlerhaft für einen viel zu geringen Preis verkauft, was jedermann hätte erkennen können. Da spricht man auch von einem externen oder offenen Kalkulationsirrtum. Beruft sich die Airline nun auf diesen offenen Kalkulationsirrtum (§ 119 BGB), kann sie den Beförderungsvertrag anfechten. In diesem Fall wäre der vorausbezahlte (zu niedrig angesetzte) Flugpreis dem Passagier zu erstatten - mehr nicht. Soviel zur deutschen Rechtslage.

    Zur Eingangsfrage, ob man nur den gebuchten Hinflug durchführt: Generell ist es so, daß One-Way-Flüge wesentlich teurer sind als Hin-und-Zurück-Tickets. Da in diesem Fall jedoch die Airline entweder (wie bereits oben dargestellt) vertragsbrüchig geworden ist oder sich auf einen Irrtum hinischtlich des Rückfluges berufen kann, hat der Kunde hier das Tarifsystems der Airline nicht böswillig unterlaufen. Insofern kann die Airline hier nicht eine Preisnacherhebung aufgrund der tariflich teureren One-Way-Beförderung vornehmen, obwohl ein tariflich günstigeres Hin- und Zurückticket bezahlt wurde.

    Der Passagier hat also auch die Möglichkeit, nur den Hinflug zu nutzen.

    Eine weitere Frage wäre die nach dem 'anwendbaren Recht': Das Recht welchen Landes war vertraglich oder wirksam in den AGB/Beföderungsbedingungen der Airline vereinbart? - Wurde überhaupt eine Rechtswahl getroffen?

    Pragmatische Lösung: Aufgrund der aufgzeigten Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten würde ich hier die Ratschläge vom User 'xcirrusx' annehmen und versuchen eine gütliche Einigung mit der Airline herbeizuführen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Oktober 2014

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