Trauriges Erlebnis Oman Air FRA-MCT

Dieses Thema im Forum "Trip Reports" wurde erstellt von journey, 6. September 2010.

  1. journey

    journey Bronze Member

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    Hallo,

    ich habe lange überlegt, ob ich das schreiben soll, mich dann aber dafür entschieden:
    Anfang Juni flog ich mit Omn Air nach MCT, wo etwas passierte, was man hoffentlich nie im Leben mitmachen muss.
    Hinflug verlief die ersten Stunden sehr gut. Hatte durch Kontaktaufnahme zum reservations office in MCT die exit row an den Toiletten bekommen und schlummerte vor mich hin. A333 war auf der Strecke nahezu voll besetzt. Nach einiger Zeit wachte ich auf und sah einen Mann auf dem Boden liegen. Mit dem Gesicht zum Boden. Dachte mir erst nix dabei und dachte im Halbschlaf, dass er Übungen zur Entspannung machen würde. Guckte mich dann um, und merkte wie andere Passagiere das dann auch merkwürdig fanden. Mit anderen versucht den Mann anzusprechen. Dieser reagierte nicht. Umgehend die FAs verständigt. Mit diesen dann den Mann umgedreht. Er hatte sich eingenässt und eine Platzwunde am Kopf. Er zeigte keine Reaktionen auf Ansprachen. Die FAs fragten über Mikro, ob ein Arzt an Bord sei.Lichter gingen an. Eine junge Deutschtürkin meldete sich. Reanimation und Herzmasssage für eine gefühlte Ewigkeit. Und alles vor meinen Augen. Durch die Vielzahl an Helfern war ich auf meinem Platz quasi gefangen.In den Moment fühte ich mich mehr als hilflos. Aber die Crew und die Passagierin taten wirkich alles. Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit dann die Notlandung in Samsun- Zitat vom Pilot "...we have to save a life". Dort wurde der Mann durch Leute vom ground service und Hilfer einiger Passagiere aus der Maschine geholt, da die Leute vom Roten Halbmond es nicht schafften. Dieser war nicht dünn gewesen, hatte 2 Bypässe und war Anfang 60. Er war gemeinsam mit seiner Frau auf dem Weg auf die Malediven um dort den 30. Hochzeitstag zu feiern wie sich herausstellte. Bis zu diesem Zeitpunkt zeigte der Mann keine Reaktionen.
    Als wir unsere Reise nach dem Aussteigen der Helfer und des Patienten nebst Frau und Gepäck fortsetzten wollten, verzog sich der Abflug immer mehr. Am Ende wurden es 5 Stunden bin MCT. Kurz vor Erreichen MCT sagte der Pilot durch, was alle, die in den ersten Reihen bereits ahnten: Der Mann war verstorben.
    Auf dem Rückweg war der Fieger sehr leer (unter 50 Leute im A330) und ich unterhielt mich mit dem Steward. Dabei stelte sich heruas, dass er auf dem Hinweg ebenfalls dabei war und den Mann die ganze Zeit Herzdruck massierte. Wir waren uns beide einig, dass der Mann sofort tot war.

    Ganz nebensächlich stellte sich dann auch heruas, dass wir beim Stopp in Samsun auftanken wollten, wir aber kein Kerosin bekommen sollten, da seitens der Leute vor Ort Zweifel bestünden, Oman Air könnte sich vorm Zahlen drücken...das gipfete darin, dass der Pilot mit seiner Kreditkarte zum ATM wollte um erstmal die Rechnung von sich auch vorzuschiessen.

    Fortan wenn ich the Fray mit "how to save a life" höre, denke ich an den Mann. Noch nie habe ich dieses Gefühl der "Schicksalsgemeinschaft" so gespürt. Die verdrehten Augen des Mannes und das Schwanken zw. Hoffen und Angst der Ehefrau werde ich nie vergessen. Das macht auch sehr nachdenkich, wie die Situation erst sein muss, wenn man weit und breit keine Landeoption hat...aber daran möchte ich gar nicht denken.

    Anbei noch die Meldung beim Aviation Herald:
    Incident: Oman Air A333 near Samsun on Jun 8th 2010, medical emergency

    An Oman Air Airbus A330-300, registration A4O-DB performing flight WY-114 from Frankfurt/Main (Germany) to Muscat (Oman), was enroute at FL390 over the Black Sea when a male passenger (63) suffered symptoms of a heart attack and fainted. The crew decided to divert to Samsun (Turkey) where the airplane landed safely. An emergency doctor could not help anymore however, the passenger had to be pronounced dead.

    The airplane reached Muscat with a delay of 5 hours.
     
  2. vegaslars

    vegaslars Gold Member

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    Ja, eine wirklich traurige Geschichte. Aber: life is a journey - wir können uns eben nicht aussuchen, wann und wo diese Reise zu Ende geht.
     
  3. Sukkot

    Sukkot Diamond Member

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    Interessanter und gut geschriebener Bericht. Dafür vielen Dank.

    Das bringt mich zu einem Thema, das bei Flugreisen immer mehr verdrängt wird.
    Die besonderen Belastungen der Flugreise für den menschlichen Körper.

    Heutzutage scheint es selbstverständlich zu sein, dass Kleinstkinder zu Vergnügungsreisen per Flugzeug mitgenommen werden oder das hochschwangere Frauen lange Flüge auf sich nehmen, auch gegen den Rat der Ärzte. Auch sehr viele alte, kranke oder gebrechliche Passagiere muten sich - und den anderen Flugpassagieren - lange und strapaziöse Flüge in unbequemen Flugzeugsesseln zu.
     
  4. miles-and-points

    miles-and-points Nach Verwarnungen dauerhaft verreist
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    Das ist richtig. Und gehört zum Leben dazu.
     
  5. flsunny

    flsunny Bronze Member

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    Ich selbst möchte diese Situaution auch nie erleben - würde ich auch nie vergessen.
    Dein Bericht erinnert mich an einen hier geschriebenen Beitrag, wo ein BC-Passagier aufweckte und neben ihm auf einmal ein zugedeckter festgebundener Toter saß. Das Flugzeug konnte wegen "oversea" nicht landen und in der Eco war es zu eng, also ab in die BC mit dem Toten, wo nach Platz war. Solch Aufwecken hätte bei mir ein Schock fürs Leben gebracht.
    Wer weiß wie oft das pro Woche passiert auf der Welt... :?:
     
  6. Sire83

    Sire83 Diamond Member

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    Danke fuer den Bericht. Da merkt man doch wieder wie viel man doch als selbstverstaendlich erachtet und wie oft wir doch auf hohem Niveau jammern. Letztendlich ist die Gesundheit immer noch am wichtigsten und unbezahlbar.
     
  7. Alligator

    Alligator Diamond Member

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    Das habe ich auch mal erlebt, auf einem Flug von PKC nach SVO mit IL62 (SU) 1999. Da hat jemand einen Herzstillstand erlitten und mehrere haben versucht, ihn wiederzubeleben. War irgendwo ganz hoch im Norden, der Pilot begann einen Notsinkflug nach Workuta und ein amerikanischer Arzt, der an Bord war, hat die Reanimation übernommen und schliesslich den Tod festgestellt. Danach ging der Flug wieder nach oben (ohne Landung) und die Leiche wurde in eine Kammer, die sich am Ende der Kabine zwischen den beiden Triebwerksblöcken befand, gelegt. (Die IL 62 - die kaum noch im Einsatz ist - hatte auf jeder Seite des Rumpfes zwei Triebwerke nebeneinander). Dumm nur, dass dieser Raum auch dafür vorgesehen war, grösseres Handgepäck abzustellen. Da wir auf Kamtschatka Kiloweise eingesalzenen Lachsrogen (sog. roter Kaviar) gekauft hatten, wurde die Leiche einfach darauf gelegt. Hat aber hinterher trotzdem noch geschmeckt. Der Amerikaner durfte sich nach der Landung auf eine Menge Papierkram einstellen und wurde schon von der russischen Polizei in Empfang genommen.

    Insgesamt nichts dramatisches aber schon ein seltsames Erlebnis auf einem neunstündigen Flug, der - bedingt durch die Zeitverschiebung - zur selben Zeit landet, wie startet. Mir schienen aber die Abläufe an Bord in so einem Fall sehr gut organisiert zu sein, das Verhalten der Crew auch. Da gab es eben keinen Flughafen, wo man mal auf die Schnelle runterkann.
     
  8. Guest

    Guest Guest

    Bzgl. schwangeren Frauen stimme ich Dir zu. Aber was sollen ältere gebrechliche Menschen denn sonst tun?! Dürfen diese nicht mehr aus dem Haus?! Meine Großtante flog vor 2 Jahren zur Beerdigung ihrer Schwester (meine Oma) auch übern Teich und dies mit 86 Jahren! Es hätte ihr das Herz gebrochen, wäre sie nicht gekommen!
    ...und manchmal wollen ältere Herrschaften oder Familien mit Kindern auch mal Urlaub machen. Ein Flug ist sicher weniger strapaziös als eine 12 Stunden Fahrt mit dem Bus oder Auto (ganz davon abgesehen, dass einige Ziele mit dem Auto nur sehr schwer zu erreichen sind. Einen Säugling muss man sicher nicht mit an Bord nehmen.

    Aber BTT: in der Tat eine traurige Geschichte. Möchte so was auch nicht erleben. Als Kind (meine Eltern und ich waren auf dem Rückflug von Gran Canaria nach Saarbrücken) mussten wir mal fast auf Madeira notlanden. Ein Mann bekam Kreislaufprobleme und wurde von einem mitreisenden Arzt betreut. Nach dem wir aber auf 7000 m (oder so!?!?!?!) runtergingen, verbesserte sich sein Zustand und wir konnten bis SCN durchfliegen!
     
  9. Dash

    Dash Lotse

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    Blöde Situation. Schon am Boden reanimieren ist extremst stressig. Dann noch in der Enge des Flugzeugs? am gang? wo alle Leut zuschauen? heftig heftig

    weiß eigentlich jemand, was in diesem Medical Emergency Kit drinnen ist? Bzw. was darf das Kabin Personal machen? vmtl nicht recht viel ausser drücken und blasen.
     
  10. MANAL

    MANAL Pilot

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    Hier finden sich Details zu der medizinischen Ausrüstung bei Lufthansa an Bord:
    http://www.flyingdoctor.org/wASP/notfal ... ung_LH.pdf
     
  11. Aeromexico2011

    Aeromexico2011 Entdecker

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    HALLO,
    ES GIBT EINEN INTERESSANTEN ARTIKEL IM STERN (DATUM LEIDER NICHT VERFÜGBAR) DAS DER BESTE ORT FÜR EINEN HERZINFARKT DAS FLUGZEUG IST.

    IN KÜRZESTER ZEIT STEHT EIN REANIMATIONSGERÄT ZUR VERFÜGUNG, DA AN BORD, ZU 80% IST EIN ARZT MIT AUSREICHENDER KENNTNISS AN BORD, SCHNELLER GEHT ES ZUHAUSE ÜBER DEN NOTRUF AUCH NICHT.

    NATÜRLICH IST IM FLIEGER DIE NACHVERSORGUNG NACH DER WIDERBELEBUNG EIN PROBLEM.

    MIR IST ES BEIM BOARDEN IN CHICAGO MIT UA PASSIERT, WIR WAREN AUF DEM FLUG NACH GRU ALS ICH DER DAME (CA 45 JAHRE) HALF, IHR HANDGEPÄCK ZU VERSTAUEN, PLÖTZLICH KIPPTE SIE NEBEN MIR UM, ZUERST DACHTE ICH AN EINEN UMBRUCH DES FUSSGELENKS, ABER DEM WAR NICHT SO, SIE LAG DORT EINFACH TOD IM GANG.

    DER FLUG HATTE GUTE DREI STUNDEN VERSPÄTUNG UND DIE STIMMUNG WAR SEHR TRAURIG.

    SALUDOS,

    JUERGEN
     
  12. berlinerjunge

    berlinerjunge Platinum Member

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    Zum Glück gehört die Frage "ist den ein Arzt an Bord" bei LH der Vergangenheit an. Früher wurde mir da auch immer ganz flau im Magen...
     
  13. Dash

    Dash Lotse

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    @MANAL:
    Danke schön für den Link. Jetzt fühl ich mich sicherer, da ist wirklich fast alles drinnen, was man so braucht.

    @Aeromexico2011: Es ist leider ein Irrglaube, dass man alles mit dem Def schocken kann. Nur ventr. Rythmusstörungen, oder Pulslose Elektrische Aktivität. Wenns goarned schlägt, bringt dir der defi auch nix. ;)

    Kriegt man als Arzt eigentlich noch immer ein Upgrade, hab davon gehört, bei manchen Fluglinien, wenn man sich am Check-In Schalter meldet, dass die Crew während des Flugs eine Ansprechsperson hat.
     
  14. Barbara56

    Barbara56 Gold Member

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    Gibt kein Upgrade oder Vergünstigung ,sondern nur ständig die Nachfrage ob man mal eben......
    Sehr unangenehm
     
  15. gonknoggin

    gonknoggin Silver Member

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    Das stimmt so nicht. War am Montag auf der LH 731 auf dem Rückweg von HKG nach MUC und nach ca. 8 Stunden Flugzeit, die Kabine war dunkel, der Grossteil der Passagiere am schlafen, kam die Durchsage der Kabinencrew, dass es ein Passagier an gesundheitlichen Problemen leidet und deshalb ein Arzt an Bord gesucht wird. Ich dachte mir bei gut 400 Passagieren an Bord wird sich wohl einer finden aber gut 5 Minuten später kam die gleiche Durchsage nochmal, mit der dringlichen Bitte, dass ein Arzt gesucht wird. Nur wenige Minuten später meldete sich dann der Kapitän direkt vom flight deck und wiederholte die dringliche Bitte mit dem Hinweis, dass eine Passagierin wohl Blinddarmbeschwerden hat. Ich dachte zu dem Zeitpunkt noch, dass ich gar nicht glauben kann, dass sich wirklich niemand an Bord mit einer gesundheitlichen Ausbildung befindet und meldet und hab schon mit einer Zwischenlandung irgendwo in der Ost-Türkei oder so gerechnet. Aber es fand sich dann doch noch jemand, der helfen konnte und scheinbar war die Situation nicht so akut, dass die Landung planmässig in MUC erfolgte. Muss aber zugeben, dass mir das Wiedereinschlafen, dann etwas schwer gefallen ist...
     
  16. municheast

    municheast Entdecker

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    Hallo zusammen,
    habe letztes Jahr im November einen ähnlichen Vorfall auf einem LH Flug MUC x JFK erlebt. Zwei Reihen schräg vor uns hat ein etwas
    älterer Herr sehr schwere gesundheitliche Probleme gehabt. Zuerst machte es den Eindruck als wollte er aufstehen und schaffte
    es nicht. Danach wurde allen ganz schnell klar dass irgendetwas nicht stimmte. Er blieb regungslos in seinem Sitz hängen und kippte
    dann leblos wie ein Mehlsack zur Seite und blieb regungslos im Gang liegen.
    In diesem Fall kam auch sofort eine Durchsage der Crew mit der Bitte dass schnell ein Arzt benötigt wird. Es dauerte nicht lange,
    dann war auch einer zur Stelle und kümmerte sich um den kranken Herrn.

    Gott sei Dank stellte sich heraus dass der Herr vermutlich einen Kreislaufzusammenbruch erlitten hatte. Es dauerte eine gute halbe
    Stunde bis er sich einigermaßen stabilisiert hatte. Dazu kam noch dass er sich einmal kräftig übergeben musste und das auf sich und
    seiner Sitznachbarin (vermutlich seine Frau) verteilte.
    Der Arzt und das Rentnerehepaar wurde dann kurzerhand in die Businessclass verlegt damit sie den Herrn flach hinlegen konnten.
    In New York angekommen war beim Aussteigen sofort die Ambulance zur Stelle und kümmerte sich um ihn.

    Froh waren alle dass dieser Vorfall noch so ausgegangen war. Uns allen war bewusst dass sich hier etwas ereignet hatte dass viel
    tragischer hätte enden können. Man kann in so einer Situation nur froh sein dass entweder ein Arzt mit an Bord ist oder jemand
    zumindest medizinische Grundkenntnisse hat. Wieder zu Hause war dieser Vorfall Grund genug für mich eine Auffrischung durch
    einen erste Hilfe Kurs zu machen. Man weiß nie in welcher Situation vielleicht ein anderer Mensch oder man selbst überlebenswichtige
    Hilfe braucht.

    VG
     

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