Werden die Fluggastrechte beschnitten? - Nächste Runde...

Dieses Thema im Forum "Reiserecht" wurde erstellt von Schlesinger, 2. Juni 2015.

  1. Schlesinger

    Schlesinger Silver Member

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    'Der ADAC appelliert an die Bundesregierung, sich auf europäischer Ebene für die Beibehaltung des bestehenden Verbraucherschutzniveaus im Bereich der Fluggastrechte einzusetzen - so wie es bereits im Koalitionsvertrag der Bundesregierung formuliert wurde. Es muss gewährleistetet sein, dass dem Verbraucher weiterhin finanzielle Entschädigungen ab einer Verspätung von drei Stunden zustehen und er im Verspätungsfall ausreichend informiert wird.

    Hintergrund: Viele Zahlungen, die Flugreisenden heute bei Verspätungen oder Annullierungen zustehen, könnten bald der Vergangenheit angehören. Am 10. Juni 2015 stehen im EU-Verkehrsministerrat die Fluggastrechte auf der Tagesordnung. Wenn die geplante Neuregelung verabschiedet wird, verlieren Verbraucher einen Großteil der heute bestehenden Ansprüche. Deutschlands Stimme im Ministerrat kann helfen, dies zu verhindern.

    Bisher müssen Airlines ab einer dreistündigen Verspätung Ausgleichszahlungen leisten. Die Neuregelung sieht vor, dass erst ab fünf, neun oder zwölf Stunden gezahlt werden muss - je nach Länge der Flugstrecke. Bei "unerwarteten Flugsicherheitsmängeln" können sich die Fluggesellschaften sogar komplett von ihrer Zahlungspflicht befreien, vor allem bei vielen technischen Defekten. Diese gelten derzeit für die Airlines nicht als Entlastungsgrund.

    Beim Treffen am 10. Juni entscheidet der Rat, wie er sich im entscheidenden Trilog im Herbst positionieren wird - und hier zählt die Stimme Deutschlands.' Quelle: ADAC
     
  2. no_way_codeshares

    no_way_codeshares Diamond Member

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    Danke, Schlesinger, für diese wichtige Information.

    Du weisst, dass ich persönlich vielfach die Meinung geäussert habe, dass die zuvor von der EU selbst eingeführten Verbraucherschutzbestimmungen für Flugreisende über das Ziel hinausgeschossen waren und die Airlines angesichts heutiger Flugpreise und durchschnittlicher Flugdauer über Gebühr belasten, gerade auch bemessen daran, dass die Airlines selbst nicht immer Einfluss auf solche Verspätungen haben.
    Wer wirklich viel fliegt ist im Jahr addiert wahrscheinlich 1-2 Tage verspätet, hat ein Riesengeld dafür ausgegeben und käme nicht einmal auf die Idee kostbare Zeit damit zu verwenden einzelnen Airlines um einzelne Stunden hinterherzulaufen, die womögliche Airports oder Weter verursacht haben. Dafür sind wir alle viel zu froh überhaupt irgendwann nach Hause zu kommen. Die Urlaubsreisenden mit den 29,- Euro Tickets, die das Pech hatten auf einem Ihrer 2 Flüge im Jahr 1-3 Stunden Verspätung zu erleben (die wir alle regelmässig erleben), haben aber hinterher dieses eine, zentrale Anliegen: Entschädigung!
    Du siehst dies allein aus Kundensicht und hast immer jeden hier gut beraten. Aber ich finde es nur realistisch, wenn die EU jetzt ein wenig zurückrudert.
    Dass ausgerechnet der ADAC sich dagegen verwendet (ok, die betreiben nur Langstreckenbusse und deren Flüge konnte nur das Management buchen), mag daran liegen, dass der ADAC seine Daseinsberechtigung sucht. Dass ausgerechnet eine Bundesregierung gegen eine Einschränkung der Verbraucherrechte einsetzen soll, die (und deren Vorgänger) deren ursprüngliche Ausweitung durch die EU nach Kräften erschwert hat, ist allerdings ein Treppenwitz der Geschichte.
     
  3. Bali08

    Bali08 Diamond Member

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    Sehe ich im Prinzip ähnlich.
    Wenn wirklich alle Paxe eines verspäteten Fluges ihre Ansprüche durchsetzen würden, wäre dies für die meisten Airlines ein finanziell schwerer Brocken.
    Das ist bei Einführung der EU Richtlinie so deutlich wohl nicht erkannt worden. Deshalb versuchen die Airlines(leider) mit recht üblen Methoden (zB. Desinformation), die Paxe davon abzuhalten, berechtigte Ansprüche durchzusetzen. Damit haben sie auch Erfolg, weil tatsächlich die meisten Paxe den "Ärger" scheuen.
    Ich befürchte nur, dass selbst bei abgespeckten Erstattungsregeln die Airlines ihr Verhalten nicht ändern.
     
  4. Heikahl

    Heikahl Lotse

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    Die Airlines werden ihr Verhalten sicher nicht ändern.
    Dabei wären die meisten Paxe doch schon mit Kleinigkeiten zufrieden.
    Genug zu trinken, etwas zu essen, einen ruhigen Platz zum Warten und Informationen.
    Aber meist wird man doof über Stunden im Abfluggate festgehalten und muss sich jede Info mühsam erkämpfen.
    Trotzdem scheuen dann die allermeisten ihre Ansrprüche gelten zu machen.
    Eine so große Belastung ist das sicher aktuell nicht.
     
  5. Hamburger

    Hamburger Silver Member

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    Der EU-Ministerrat hat sich die momentan gültige Regelung nicht ausgedacht, sondern vielmehr damals den Forderungen der Lobby der großen Airlines (LH, BA, AF, KL) entsprochen. Hintergedanke war damals, dass die Regelung besonders die Billigflieger wie Air Berlin, Condor, Easyjet und Ryanair treffen werde.

    Tatsächlich trifft es aber am meisten Airlines wie LH, AF und KL. Zum einen sind die Billigairlines pünktlich, zum anderen zahlen diese Airlines, wenn es zu berechtigten Ansprüchen kommt. Ansonsten winden sie sich natürlich auch.

    Andres bei den großen Airlines: Es wird getrickst, gelogen und man drückt sich. Jetzt also alles wieder zurück.

    Easyjet und Ryanair machen so um die 500 Millionen Euro Gewinn pro Jahr, die könnten sich die Kompensationszahlungen leisten. Nicht so die vielgelobten ehemaligen Staatsairlines.
     
  6. Schlesinger

    Schlesinger Silver Member

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    Gut. Dies ist deine persönliche Meinung. - Meine persönliche Meinung, die ich hier ja kaum kundgetan hatte (weil ich immer nur auf die Rechtslage hingewiesen habe), ist ebenfalls, daß die Zeiträume schon recht knapp bemessen sind, um einen Verspätungsschaden nach der 'Europ. Fluggastrechteverordnung' geltend zu machen. Hier stimme ich -sicherlich zu deiner Überraschung- mit dir sogar überein, daß man die Zeiten ruhig etwas heraufsetzen könnte.
    Die Neuregelung sieht vor, dass erst ab fünf, neun oder zwölf Stunden gezahlt werden muss - je nach Länge der Flugstrecke. Allerdings erscheinen mir diese Zeiträume wiederum schon ein wenig zu lang. Hier müßte man m. E. einen Kompromiß zwischen der jetzigen Regelung und der geplanten Neuregelung schaffen.

    Danke für die Blumen!!!


    'Bei einem annulierten Flug innerhalb Europas und entsprechender Verspätung über eine Strecke von 800 km und angenommenen 50 Passagieren würde sich die Summe aller Ausgleichszahlungen (je Fluggast: EUR 250,-) auf EUR 12.500,- belaufen. Bei einem interkontinentalen Langstreckenflug mit einer Strecke über 6.000 km und einer angenommen Passagierzahl von 250 würde sich die Summe aller Ausgleichsleistungen (je Fluggast: EUR 600,-) auf EUR 150.000,- belaufen. Das geht schon ans Eingemachte.' Quelle: http://www.fluggastrecht.blogspot.de/2013/09/unterschiedliche-interessenlagen.html 'Experten schätzen: 1,3 Millionen Passagiere haben jährlich einen Anspruch auf Entschädigung. Rund 650 Millionen € würde das deutsche Airlines kosten. Viel Geld, das zu Lasten der Gewinne gehen würde.' Quelle: www.daserste.de

    Selbst wenn die neue Fluggastrechteverordnung im Herbst in Kraft treten sollte, so meine Meinung, werden die wenigsten Airlines diese Erparnisse an ihre Kunden weitergeben. Und: Letztendlich sparen die Airlines nicht die o. a. Zahlen ein, denn die berechtigten Forderungen vieler Kunden (nur jeder fünfte machte seinen Schaden geltend) werden schon im Vorfeld von den Airlines 'abgebügelt' und nur die harnäckigsten Passagiere setzen ihr Recht durch.

    Sehe ich auch so (siehe oben). Sicherlich muß ein Gesetz immer allgemein abgefaßt werden, um viele Sachverhalte zu erfassen. Ist es allerdings zu unbestimmt, gibt es erneut Anlaß zu zahlreichen Klagen. Die bestehende Fluggastrechteverordnung aus 2004 enthielt zahlreiche Bestimmungen, die erst durch Gerichtsurteile näher präzisiert (was ist ein Flug?, was ist das 'ausführende Luftfahrtunernehmen'?, wie verhält es sich bei Anschlußverbindungen?, was sind 'außergewöhnliche Umstände'? und was sind 'technische Defekt'?) wurden. - Ganz gleich ob geplatzte Reifen (AG Königs Wusterhausen, Urt. v. 31.05.2011, Az.: 20 C 84/11) oder eine defekte Benzinpumpe (AG Frankfurt/M. Urt. v. 27.6.2013, Az. 30 C 1055/13 – 25) - es gibt heute kaum mehr ein Flugzeugteil über welches nicht schon vor Gericht gestritten wurde und stets wurde zu Gunsten der Fluggäste entschieden.

    Die Neuregelung sieht vor: Bei "unerwarteten Flugsicherheitsmängeln" können sich die Fluggesellschaften sogar komplett von ihrer Zahlungspflicht befreien, vor allem bei vielen technischen Defekten. Diese gelten derzeit für die Airlines nicht als Entlastungsgrund. Dann geht es wieder von vorne los, wenn man solche neuen Begriffe in das Gesetz einführt. Dann wird es wieder acht bis zehn Jahre dauern, bis die Gerichte geurteilt haben, was damit gemeint sein könnte oder was darunter zu verstehen ist.

    Die VO (EG) Nr. 261/2004 sieht in ihrem Gesetzestext keine Ausgleichsleistungen vor, wenn es sich 'lediglich' um eine 'große' Verspätung handelt. Nach dem reinen Gesetzestext gäbe es Ausgleichsleistungen nur im Falle von Annullierungen oder Nichtbeförderungen.
    Aber: Gemäß höchstrichterlichen Urteilen des EuGH, Az.: 402/07 und 432/07, bestätigt durch EuGH, Az.: C-581/10 und C-629/10, steht Fluggästen eine Ausgleichsleistung im Falle einer 'großen' Verspätung von über drei Stunden zu, denn sie befinden sich in einer ähnlich prekären Situation und dürfen daher nicht schlechter behandelt werden als Fluggäste, deren Flüge ganz gestrichen oder annulliert wurden. - Als höchstrichterliche Urteile haben diese EuGH-Entscheidungen Gesetzescharakter, d. h., sie sind gleichwertig wie ein Gesetz, aus welchem man einen Rechtsanspruch ableiten kann. - Hier sollte man doch die 'große Verspätung' gleich mit in die Neuregelung aufnehmen, ehe der EuGH wieder neu entscheiden muß, wie denn in solchen Fällen zu verfahren ist. Die große Verspätung könnte m. E. durchaus statt derzeit auf drei Stunden dann auf fünf oder sechs Stunden ausgeweitet werden. Nur: Mann sollte m. E. die 'große Verspätung' schon im Gesetzestext festschreiben, damit von Anfang an Rechtsklarheit herrscht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Juni 2015
  7. Schlesinger

    Schlesinger Silver Member

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    Habe noch eine interessante Aussage zur Thematik gefunden: 'Dahinter steht offensichtlich die Befürchtung, die Fluggesellschaften könnten die durch die Fluggastrechte verursachten Belastungen nicht tragen. Die Zahlen sehen anders aus: demnach geben die Airlines für Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen derzeit nur 0,88 Euro pro Ticket aus.' Quelle: http://www.tageszeitung.it/2015/06/10/kalter-wind/
     
  8. xmitter

    xmitter Bronze Member

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    Ist natuerlich eine völlige Milchmaedchenrechnung, die Kosten auf alle Tickets umzulegen und dann von niedriegen Kosten fuer Airlines zu sprechen.
    Die Kosten vaarieren ja bzgl. Kurz-/Mittel- & Langstrecke. Da trifft es z.b. eine Condor mit vielen Langstreckenfluege komplett anders als FR oder U2.
    Aber selbst wenn man nun die EUR 0,88 nimmt und annehmen tut, das jeder Passagier nur ein Ticket hatte, dann ergibt sich anhand der Passagierzahlen von 2014 grob Kosten von:

    LH = ueber EUR 93 mio
    FR = ueber EUR 72 mio
    U2 = ueber EUR 57 mio
    AB = ueber EUR 28 mio
    X3 = ueber EUR 8 mio
    DE = ueber EUR 6 mio

    Das waeren ja nur die cash ausbezahlten Ausgleichzahlungen. Noch nicht beruecksichtigt sind die ganzen Kosten fuer Verpflegungsaufwendungen, Uebernachtungskosten und
    anderweitige Kosten die entstehen, wenn Flieger verspaetet sind bzw. gecancelled werden muessen.
    Wenn man nun die Gewinne ( wenn es sie denn gibt ) gegenueberstellt, kann man erkennen das diese exorbitanten Ausgleichzahlungen existenzbedrohend sind.
    FR ohne Flugzeugverkaeufe und sales & lease back deals haette kaum ein Gewinn. LH waer ohne LHT etc in der Verlustzone.
    Dazu kommt fuer die deutschen Airlines auch noch die Passagier-Abgabe....
    Vielleicht erkennen ja nun die ganzen Geizhaelse & Ausgleichzahlungsjaeger, das bei Airlines jeder Cent zaehlt und diese EUVO dringend ueberarbeitet werden muss.

    Keine Airline auf dieser Welt verspaetet Fluege oder streicht einen Flug, um ihre Passagier zu aergern :idea:
    Es entstehen ihnen schon enorme Kosten dadurch, ohne Ausgleichszahlungen etc.
    Luftfahrt & Luftfahrttechnik ist nunmal etwas komplexer.
     
  9. Hamburger

    Hamburger Silver Member

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    Dann sollen die Airlines doch mal belastbare Zahlen auf den Tisch legen.

    Immer dieses Geschwafel von "komplex und besonders" - heisst doch nur: "Du dummer Passagier verstehst es doch eh nicht".
     
  10. Jet1

    Jet1 Platinum Member

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  11. xmitter

    xmitter Bronze Member

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    Aus nachvollziehbaren Gruenden glaube ich aber kaum, das diese öffentlich gemacht werden. Eventuell anonymisiert. Da gebe ich dir insofern Recht.
    Aber an den entsprechend politischen Stellen werden belastbare Zahlen vorgezeigt. Nur verhindert das ja nicht solche schwachsinnigen Milchmaedchenrechnungen von irgendwelchen Verbraucherschuetzern (sind ja auch nur Lobbyisten).

    Ich wuerde es zwar so nicht formulieren aber ja, so ist es! Der normale Passagier bzw. Leute ausserhalb der Luftfahrt verstehen es in der Regel nicht.
    Ich bin mir bewusst das einige User (in diversen Foren) glauben, das sie die Gabe als Luftfahrtmanager / Techniker / Engineer etc in die Wiege gelegt bekommen haben ;)
    Die Wirklichkeit ist nun mal eine andere :idea:
     
  12. Schlesinger

    Schlesinger Silver Member

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    Diese Behauptung (mit Quellenangabe) habe ich hier nur mal so in den Ring geworfen, um die Diskussion etwas 'anzuheizen'. Wie die Zahl '0,88 EUR pro Ticket zu Stande kommt, wäre natürlich zu hinterfragen.

    Dass sich die Zahlen -wie 'xmitter' einwendet- auf Lang-, Mittel- und Kurzstrecke unterscheiden, ist stark zu vermuten, allerdings sehen die Passagierzahlen und die Höhe der Ausgleichsleistungen auf den kürzeren Flügen auch anders aus.

    Eine Milchmädchen-'Rechnung' ist dies nicht, denn wir kennen die Berechnung nicht. Wir wissen nicht, ob die zu Grunde liegende Berechnung und das zu Grunde liegende Zahlenmaterial falsch oder richtig ist. Wir haben lediglich eine Behauptung oder eine Zahl, die von den Verbraucherschützern 'in den Raum geworfen' wurde.

    Hier hat 'xmitter' nach seinen Berechnungen für nur sechs Airlines Kosten über EUR 264 Mio. angegeben.

    Diesbezüglich schenke ich jedoch folgender Aussage mehr Glauben: '"Schon jetzt würden die Airlines Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen in Höhe von 132 Millionen Euro pro Jahr bezahlen"
    , rechnet der Bundesverband der Deutschen Luftfahrtwirtschaft vor.' Quelle: Die Welt v. 18.05.2015 auf http://www.welt.de/reise/article141...ele-Ansprueche-fuer-Passagiere-wegfallen.html

    Wer lesen kann ist klar im Vorteil:

    und

    '"Schon jetzt würden die Airlines Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen in Höhe von 132 Millionen Euro pro Jahr bezahlen", rechnet der Bundesverband der Deutschen Luftfahrtwirtschaft vor.' Quelle: Die Welt v. 18.05.2015 auf http://www.welt.de/reise/article141...ele-Ansprueche-fuer-Passagiere-wegfallen.html

    Mit anderen Worten: die Kosten Unterstützungsleistungen sind sowohl bei der Zahlennennung durch die Verbraucherschützer als auch durch den Bundsverbvand der Deutschen Luftfahrtwirtchaft mit beinhaltet.

    Jezt kennen wir ja bereits das Ergebnis der EU-Verkehrsministerratssitzung. Offenbar konnten die Lobbyisten der Luftfahrtwirtschaft die EU-Verkehrsminister nicht mit einem solchen Argument überzeugen...

    Das behauptet auch niemand, daß die Airlines Verspätungen absichtlich (mit Vorsatz) herbeiführen. Auch der Bäcker, der eine Hochzeitstorte erst einen Tag nach der Hochzeitsfeier liefert handelt sicherlich nicht mit Absicht - oder der Rundfunk- und Fernseh- oder Autoverkäufer wird dem Kunden nicht mit Absicht ein defektes Fernsehgerät oder ein defektes Auto verkaufen. Dennoch muß auch der Verkäufer die Gewährleistungsrechte für Verbraucher beim Warenkauf beachten.

    ... - Da sag' ich nichts zu...
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Juni 2015
  13. no_way_codeshares

    no_way_codeshares Diamond Member

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    Kann es sein, dass Ihr näher beieinander liegt, als Euch lieb ist?
    Nehmt FR und U2 heraus und Ihr seid +/- bei dem Wert des Bundesverbandes der DEUTSCHEN Luftfahrtwirtschaft.
     
  14. Schlesinger

    Schlesinger Silver Member

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    Danke für den Beitrag. Vielleicht liegen 'xmitter' und ich doch nicht so weit auseinander, wie es zunächst schien.

    Ich habe jetzt mal in eingie Geschäftsberichte der Airlines geschaut, jedoch dort keine Positonen wie z. B. 'Rückstellungen/Zahlungen für Ausgleichszahlungen und Unterstützungsleistungen' gefunden.

    'Wenn die EU-Komission mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung eine Verschlechterung der Fluggastrechte erreichen möchte, sollte sie auch den Mut haben, das gegenüber den Verbrauchern ehrlich zu kommunizieren. Begrüßenswert wäre es, wenn die Presse dieser Desinformation durch Politik und Wirtschaft entgegensteuern würde. Es klingt wie eine Verhöhnung der Fluggäste, wenn die Airline-Lobby die Änderung an der Fluggastrechte-Verordnung als Verbesserung der Passagierrechte verkauft, wie z.B. der Bund Deutscher Luftfahrtunternehmen, der auf seiner Homepage lamentiert:

    Es ist unverantwortlich, dass das Europäische Parlament die Verordnung der Fluggastrechte weiter verschärfen will. Für Verbraucher bedeutet der Entwurf vor allem teurere Flüge und längere Wartezeiten.

    Es wird offensichtlich nicht verstanden oder verschleiert, dass die Luftfahrtunternehmen vom europäischen Gesetzgeber ein immenses „Geschenk“ erhalten haben.

    Angesichts der äußerst geringen Anzahl verspäteter Flüge, die eine Ausgleichszahlung nach sich ziehen (0,15%, so Generalanwalt Bot in seinem Schlussantrag in der Rechtssache C-581/10), ist weder von einer unverantwortlichen Belastung der Fluggesellschaften auszugehen; sie wird auch nicht zu einer spürbaren Erhöhung der Ticketpreise führen. Eine Fluggesellschaft, die jährlich 8 Mio. Passagiere befördert, käme bei den vorgenannten Zahlen auf lediglich 12.000 verspätete Passagiere, die im schlimmsten Fall aus heutiger Sicht mit 7,2 Mio. Euro zu entschädigen wären. Bei 8 Mio. Passagieren würde die Erhöhung des Ticketentgelts zur Rückstellung der Entschädigungen gerade mal einen Euro ausmachen.

    Es muss deutlich in das Bewusstsein der Öffentlichkeit und der Fluggesellschaften gerückt werden, dass Flugzeiten fester Bestandteil des Beförderungsvertrages und nicht bloße Empfehlungen sind. Die einseitige Verschiebung der Flugzeiten, gleich aus welchem Grund, stellt eine nicht mehr vertragsgerechte Leistung dar, zu deren Annahme der Fluggast nicht mehr verpflichtet ist. Auf die Fluggäste kommen harte Zeiten zu.

    Rechtsanwalt Prof. Dr. Ronald Schmid' Quelle: http://www.ronald-schmid.de/fluggastrechte-reform-eine-verbesserung-nur-auf-den-ersten-blick.html

    In diesem Artikel spricht also der Generalanwalt Bot beim EuGH von einer Belastung von einem Euro pro Ticket für Fluggastrechte (=Ausgleichzahlungen und Unterstützungsleistungen) Dieser Betrag liegt den von den Verbraucherschützern angegeben EUR 0,88 sehr nahe.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Juni 2015
  15. Schlesinger

    Schlesinger Silver Member

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    Der Generalanwalt beim EuGH hat hier schon das worst-case-szenario beschrieben: In seiner Berechnung geht er offenbar davon aus, daß jedem verspäteten Passagier die EUR 600,- bezahlt werden. Es gibt allerdings auch geringere entfernungsabhängige Ausgleichszahlungen über EUR 400,- bzw. EUR 250,-. Allerdings müssen wir wiederum berücksichtigen, daß in einigen Fällen noch Unterstützungsleistungen (Hotelunterbringung, Verpflegung usw.) zu addieren sind.

    Aber:
    'Allein deutschen Passagieren stehen gemäß Fluggastrechte-Verordnung der EU pro Jahr knapp 760 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen für Flugverspätungen und Flugausfälle zu. Doch weniger als 40 Millionen Euro werden an betroffene Fluggäste ausgezahlt. Die übrigen 720 Millionen Euro behalten die Fluglinien unrechtmäßig ein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des Verbraucherschutzportals FairPlane.

    Der Hauptgrund für diese verbraucherfeindliche Situation sieht das Portal in der Unwissenheit der Passagiere. "Keine Airline zahlt freiwillig und von sich aus eine Entschädigung. Wir haben festgestellt, dass neun von zehn Passagieren ihre Rechte gar nicht kennen. Und wer sie nicht kennt, kann sie auch nicht einfordern", sagt FairPlane-Geschäftsführer Andreas Sernetz. "Es verwundert nicht, dass die Airlines kaum danach streben, an dieser Situation etwas zu ändern."

    Von den zehn Prozent der geschädigten Passagiere, die Ausgleichszahlungen von den Airlines einfordern, erhält wiederum nur die Hälfte die Entschädigung von bis zu 600 Euro pro Passagier, rechnet das Portal vor. Häufig ignorieren Fluglinien Forderungen der Passagiere oder lehnen diese mit oft unrechtmäßigen Begründungen ab. Mit juristischem Beistand steige die Erfolgsquote auf bis zu 95 Prozent.' Quelle: Die Welt v. 18.05.2015 auf http://www.welt.de/reise/article141...ele-Ansprueche-fuer-Passagiere-wegfallen.html
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Juni 2015
  16. Jet1

    Jet1 Platinum Member

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    Fairplane ist mitnichten ein „Verbraucherschutzportal“, sondern die Website eines der kommerziellen Dienstleister bei der Durchsetzung von Ansprüchen nach der EU-Verordnung über die Fluggastrechte gegen Erfolgshonorar. Deshalb ist dessen Eintreten für die Beibehaltung der derzeitigen Regelungen nicht von edlen Motiven, sondern von durchsichtigem geschäftlichem Eigeninteresse bestimmt, weil bei einer Verschlechterung der Leistungen für Flugunregelmäßigkeiten ein Teil des Geschäfts wegbrechen würde.

    Damit’s keine Missverständnisse gibt: Auch ich hin (ohne finanzielles Eigeninteresse) für die Beibehaltung der derzeitigen Regelungen, weil ich die für einen fairen Ausgleich zwischen den Interessen der Fluggesellschaften und denen der von Flugunregelmäßigkeiten betroffenen Passagieren halte. Auf Unterstützung durch Fairplane kann ich aber gut verzichten.

    Übrigens: Die Deutsche Bahn muss bei Verspätungen ab 60 Minuten eine Entschädigung in Höhe von 25% des Fahrpreises und bei Verspätungen ab 120 Minuten eine Entschädigung in Höhe von 50% des Fahrpreises ohne Rücksicht auf den Grund für die Verspätung zahlen, also auch dann, wenn die Verspätung dadurch entstanden ist, dass sich mal wieder ein Selbstmörder vor einen Zug geworfen hat.

    http://www.bahn.de/p/view/service/fahrgastrechte/faq_fahrgastrechte.shtml#1


    Über diese Regelungen regt sich niemand auf.
     
  17. Schlesinger

    Schlesinger Silver Member

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    Gebe ich dir recht, daß 'fairplane' keine unabhängige Quelle ist! - Jedoch haben wir zur Zeit keine Anhaltspunkte, daß die Angaben dieser Quelle unzutreffend sind, denn sie wird durch folgende Quellen bestätigt:
    'Geschätzt 40.000 Urteile werden in Deutschland jährlich zum Thema Flugverspätung gesprochen. Da die Rechtslage klar ist, gewinnen fast immer die Passagiere!' Quelle: daserste. 'Beim Amtsgericht Rüsselsheim liegen allein gegen Condor 2400 Klagen vor. Richter sind genervt ob der Klagen-Plage, die die systematischen Flugverspätungen des Ferienfliegers nach sich ziehen. „Im Normalfall verlieren wir solche Verfahren nicht“, so Rechtsanwalt Hopperdietzel.'
    Hierbei muß ich natürlich zugeben, daß letztgenannte Quelle wiederum auch 'nicht ganz unabhängig' ist.

    Unabhängig davon gibt es auch noch Fahrgasteregelungen für Busreisende (VO (EU) Nr. 181/2011) und Schiffsreisende (VO (EU) Nr. 1177/2010).
     

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